Berlinde De Bruyckere

Berlinde De Bruyckere, Actaeon, 2011/12 / Wachs, Holz, Textilien, Epoxidharz, Eisengestell / Courtesy der Künstlerin & Hauser & Wirth © Mirjam Devriendt

 

Berlinde De Bruyckere

Leibhaftig

Kunsthaus Graz
02//201314/02 – 12/05/2013

Tod und Leiden werden heute systematisch hinter verschlossenen Türen gehalten.
Im Zeitalter einer Konsumgesellschaft, die geprägt ist von Schönheitschirurgie, Biogenetik und
Jugendwahn, werden Spuren der Zeit und der Versehrtheit an den Rand gedrängt. Umso mehr
finden sie ihren schockierenden Auftritt in den Fernsehberichten über Armuts- und
Kriegsgebiete. Diesem Voyeurismus zu entkommen und doch den Körper und das perfekt
abgeformte Material direkt und geradezu physisch sprechen zu lassen, ist eine der
herausragenden Eigenschaften der Arbeiten von Berlinde De Bruyckere. Die flämische Künstlerin
gehört zu jenen zeitgenössischen Bildhauerinnen, die den Umgang mit der Figur nicht scheuen.
In Auseinandersetzungen mit Körperbildern aus Medien, Kunst und Film geht sie in ihren
Arbeiten dem Körper als Material, als Bild des Selbst und als endlicher Prozess auf den Grund.
Konsequenterweise befinden sich ihre zwitterhaften Wesen vielfach im Zustand der
Metamorphose. Sie widerspiegeln Bilder einer humanistischen und kunsthistorischen
Auseinandersetzung mit dem Körper, dessen Endlichkeit und Fragmentiertheit, und rufen dabei
komplexe Emotionen hervor. Für den fließenden Ausstellungsraum des Kunsthauses Graz
wurden Skulpturen und Aquarellserien aus den Jahren 2001 bis 2013 ausgewählt, die den
Wandel und eine Situationsbezogenheit geradezu exemplarisch thematisieren und dabei die
Bedingungen des leiblichen Seins mit dem eigenen körperlichen Empfinden konfrontieren. So
findet Berlinde De Bruyckere, die Belgien bei der diesjährigen Biennale von Venedig
repräsentieren wird, eine die Zeit überdauernde bildhauerische Sprache der Empathie. Im Spiegel
der Werke erfahren wir den Leib als tröstenden Beweis der Existenz. Er ist Zeuge unserer selbst
und Hülle all dessen, was uns bewegt.

www.museum-joanneum.at

 

 

Thea Djordjadze, Tickle the sketch, 2012 Carpet, steel, lacquer Courtesy: Monika Sprüth

 

Thea Djordjadze (GE)november

Koelnischer Kunstverein

Eröffnung 15/02/2013, 19:00

Thea Djordjadze wurde 1971 in Tiflis, Georgien, geboren. Sie studierte Bildhauerei in der Klasse von Rosemarie Trockel an der Kunstakademie Düsseldorf. Von 2004 bis 2007 war sie Atelierstipendiatin des Kœlnischen Kunstvereins. Nun präsentiert der Kunstverein ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland seit 5 Jahren. Wie häufig im Kunstverein handelt es sich um eine spezifische Neuproduktion, die unverwechselbar ist und in direkter Auseinandersetzung mit dem Ort entsteht.
Djordjadzes Skulpturen erinnern teilweise an die Raumfaltungen der russischen Futuristen oder der De Stijl Gruppe, unterscheiden sich jedoch wieder deutlich von diesen durch biomorphe, manchmal surreal, manchmal folkloristisch wirkende Gestaltungselemente. Hinzu kommt ein fast erzählerischer Umgang mit dem Interieur als Motiv: Stuhl, Tisch, Bett, Paravent. Das visuelle Ausgangsmaterial für ihre Ensembles nimmt die Künstlerin im Design und der Architektur der von ihr durchreisten oder benutzten Umgebungen wahr. Dabei liefern vor allem der familiäre Zusammenhang in Georgien und die Reisetätigkeit als international ausgestellte, in Berlin lebende Künstlerin die topografischen Koordinaten dieser Rezeption. Es sind heterogene Raumkonzepte, deren Erfahrung die Künstlerin interessiert. Situationen, in denen Gebrauch, Improvisation und das Aufeinandertreffen diverser, oft gegensätzlicher kultureller Praktiken eine Rolle spielen. Djordjadze transplantiert Bilder und Gegenstände aus dem Zusammenhang ihrer ursprünglichen Funktions- und Erscheinungsweise heraus und überträgt sie in die spekulative Umgebung ihrer eigenen künstlerischen Arbeit. Kulturelle Realität und Widersprüche —die sich im Ausgangsmaterial als Normalität repräsentiert finden— werden in diesem Prozess wieder aufgelöst und neu verhandelt.

Die Moderne erscheint in Thea Djordjadzes Werk als Konstruktion, deren universalistischer Anspruch schon immer durch die Pluralität kultureller und geografischer Austauschverhältnisse relativiert ist. In einem Kino zeigte die Künstlerin anlässlich ihrer Ausstellung in der Kunsthalle Basel (2009) den Film “Das Salz Swanetiens” von Michail Kalatosow. Der Film dokumentiert den Zusammenprall von Modernisierung und Archaik in der postrevolutionären Sowjetrepublik Georgien. Sowjetische Filmemacher wollten die sozialistische Perspektive —auch bildsprachlich— in die durch patriarchale Traditionen geprägten Südränder der jungen Räterepublik tragen. Umgekehrt wurde aber die Filmsprache der jungen Revolutionäre durch die vorgefundenen sozialen und geografischen Strukturen ebenfalls verändert. Ein ähnliches Verhältnis wird in Djordjadzes Arbeit reflektiert, wenn sie einen folkloristischen Fransenteppich über eine axonometrische Holzkonstruktion legt. Auch das Ornament des Teppichs wird relativiert. Dessen Schmuckseite ist nach innen gefaltet; die ungewollt modern wirkende —weil herstellungsbedingt mechanistische— Rückseite bleibt dagegen sichtbar.

www.koelnischerkunstverein.net

 

 

VALIE EXPORT, Bedrückung, 1972 S/W-Fotografie, Tusche / Foto: mumok © VBK Wien, 2012

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Poesie der Reduktion

Minimal, Concept, Land Art

mumok
17/09 – 05/05/2013

Die Ausstellung stellt parallel zur Präsentation von Dan Flavin dessen Œuvre in einen breiteren zeitgenössischen Zusammenhang. Sie führt anhand einer repräsentativen Auswahl aus den Sammlungs- beständen zur Minimal, Concept und Land Art die zentralen Themen dieser neoavantgardistischen Kunstrichtungen der 1960er- und 1970er-Jahre vor Augen. Die thematische Gliederung der Präsentation spiegelt mit der Abkehr von traditionellen Kunstgattungen den Auf- bruch zu einer neuen raum-, körper- und betrachterbezogenen Kunst wider, die ihre eigenen institutionellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen mitreflektiert. Der damit verbundene Wunsch nach Klarheit und analytischer Präzision äußerte sich zumeist in einer konzentrierten und reduzierten Formensprache, die das Sinnliche und Poetische nicht ausschließt, sondern, im Gegenteil, in einem neuen Licht erscheinen lässt.
So bergen auch die nüchternen Formen der Minimal Art, die gegen den Illusionismus der Malerei angetreten war, eindrucksvolle sensuelle und poetische Aspekte. Durch die Reduktion der Formen wird deren Wahrnehmung als subjektiver Akt erfahrbar, in dem das Werk, der Raum und die eigene Körperlichkeit sinnlich miteinander verspannt sind. Gerade die Einfachheit der Mittel erhöht die Komplexität der Werke, wie Donald Judd, einer der Hauptvertreter der Minimal Art, selbst anmerkte.

www.mumok.at

 

 

Maria Lassnig, Kleines Sciencefiction-Selbstporträt, 1995 / Öl auf Leinwand / Stiftung Kunsthalle Bern © UMJ / N. Lackner

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Maria Lassnig (AT)

Der Ort der Bilder

Neue Galerie Graz
17/11 – 28/04/2013

In Maria Lassnigs Kunst manifestiert sich ein grundsätzliches Thema, dem der Mensch von jeher gegenübersteht. Es ist die Frage nach dem Bild, die Frage nach dem Visuellen auf einer grundsätzlichen Ebene. Dabei ist zu beachten, dass sich die sichtbare Welt nur zum Teil als der Ort des Visuellen definieren lässt. Wesentlicher erscheint bei Lassnig die Erkenntnis, dass der menschliche Körper ein Medium darstellt, das Bilder generiert. „Endogene Bilder“, die aus dem Inneren des Menschen aufsteigen (Erinnerungsbilder, Traumbilder etc.) sind auch Gegenstand der Bildwissenschaft. Unter diesem Aspekt betrachtet, ergeben sich aus dem Werk Maria Lassnigs verblüffende Erkenntnisse. Ihr Werk wird so zur angewandten Bildkritik. Die Frage nach dem Ort der Bilder bzw. des Visuellen wird hier mit Vehemenz gestellt.

Die Ausstellung in der Neuen Galerie Graz präsentiert teils noch nie gezeigte Arbeiten der Künstlerin aus allen Schaffensperioden – ein Werk, das die Entwicklungen vom abstrakten Expressionismus bis zur gegenständlichen Malerei exemplarisch nachzeichnet. Die Personale thematisiert die Vorgänge der Bildwerdung der äußeren Realität sowie der Manifestation innerer Bilder

www.museum-joanneum.at

 

 

 

Berlinde De Bruyckere

Leibhaftig

Kunsthaus Graz
02//201314/02 – 12/05/2013

Death and suffering are systematically kept behind closed doors today. In the age of the
consumer society, shaped by cosmetic surgery, biogenetics and the obsession with youth, traces
of time and infirmity are marginalised. All the more do they make a shocking appearance in
television reports on poverty-stricken and war-torn zones. To escape this voyeurism and yet to
let the body and the perfectly cast material speak directly and downright physically: this is one
of the outstanding qualities of the works of Berlinde De Bruyckere. The Flemish artist belongs to
those contemporary sculptors unafraid of confronting the human figure.
In her engagement with body images from the media, art and film, she plumbs in her works the
body as material, as the image of the self and as a finite process. Her hermaphroditic creatures
consistently find themselves in a state of metamorphosis. They reflect images of a humanistic
and art-historical involvement with the body, its finality and fragmented nature, and in so doing
arouse complex emotions. For the flowing exhibition room of the Kunsthaus Graz, sculptures and
watercolour series from 2001 to 2013 have been selected, which broach the themes of
transformation and relatedness to a situation in almost quintessential fashion. Thereby the
conditions of physical existence confront one’s own physical sensibility. In this way Berlinde De
Bruyckere, who will represent Belgium this year at the Venice Biennale, has found a sculptural
language of empathy that is durable. In the mirror of the works we experience the body [Leib] as
consoling proof of existence. It is the witness of we ourselves and the shell of that moves us.

www.museum-joanneum.at

 

 

Poetry of Reduction

Minimal, Concept, Land Art

mumok
17/09 – 05/05/2013

The exhibition – which is running in parallel to the presentation of Dan Flavin’s œuvre and will put it in a wider contemporary context— shows the central subjects of this neo-avantgarde art movement from the 1960s and 1970s using a representative selection of Minimal, Conceptual and Land Art from the collection holdings. The thematic structure of the presentation not only reflects the rejection of tradi- tional art genres, but the turn towards the new forms of art relating to space, the body and the viewer that reflect on their own institutional and social conditions. The intentional quest for clarity and analytical precision associated with these concerns is usually visible in a reduced formal language though this does not exclude sensuality or poetics. On the contrary, it presents them in a new light.
Thus the sober forms of Minimal Art, which locked horns with the illusionism of painting, contain impressive sensual and poetic aspects. The reduction of forms allows the subjective act of perceiving them to be experienced as a tensile relationship between the work, the room and one’s own physicality. As Donald Judd himself remarked, the complexity of the work is heightened precisely because of the simplicity of means.

www.mumok.at

 

Maria Lassnig (AT)

The Location of Pictures

Neue Galerie Graz
17/011 – 28/04/2013

Maria Lassnig’s art reveals a basic problem every person is confronted with. It is the question of the picture, of the visual at a fundamental level, although one should note that the visible world can only partially be defined as a location of the visual. More essential in Maria Lassnig’s work seems the awareness that the human body represents a medium that generates pictures.

“Endogenous Pictures”, which arise from within a human (images generated by memory or dreams etc.), are also the subject of visual studies. When seen from this angle, remarkable insights are won from Maria Lassnig’s work. Her work thus turns into an applied critique of the image. The question of the location of the pictures or of the visual is posed here with especial urgency.

The exhibition in the Neue Galerie Graz presents works by the artist – some of them not yet shown – from all creative periods, an œuvre that traces the developments from Abstract Expressionism to representational painting in exemplary fashion. The solo show takes as its theme the processes of turning external reality into images, as well as the manifestation of inner pictures.

www.museum-joanneum.at

 

 

 

 

 


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