Das ist heute möglich

Bernd Krauß: Installationsansicht Koelnischer Kunstverein, 2012

Bernd Krauß

Das ist heute möglich

Koelnischer Kunstverein 30.6. – 9.9 2012
Kurator: Søren Grammel

In seinen Arbeiten verwendet Bernd Krauß (*1968) Verfahren aus Malerei, Zeichnung, Skulptur, Video, Fotografie, Druckgrafik, Performance und Theater. Hinzu kommen diverse Langzeitprojekte wie beispielsweise die Produktion einer mittels Kopierladen und Internet vervielfältigten Wurfsendung, die den boulevardhaften Titel »Der Riecher« trägt. Mit Objekten, Aktionen, Bildern und einem improvisierten Fernsehsender (»Sender Mittelfranken«) saugt Krauß den Alltag um sich herum kontinuierlich auf und macht ihn zum Material seiner Kunst.

Der Gebrauch von nicht-künstlerischen Formaten und alltäglichen Handlungsformen prägt seine Arbeitsweise ebenso wie die offensichtlich bewusste Distanzierung zum routinierten Künstlertypus, der durch Wiederholung eine bestimmte Methodik ausreizt und dann im Kunstsystem verteilt. Die Arbeit von Bernd Krauß distanziert sich klar von jeder Tendenz zur Verfeinerung. Die von ihm verwendeten Materialien stammen oft aus dem Kleingewerbe und der Dienstleistung oder werden an seinen häufig wechselnden Aufenthaltsorten einfach vorgefunden. Das Angebot regelt die Nachfrage. Er bedient sich an Techniken und Formaten, die man lernen oder sich abschauen kann – häufig aus dem Bereich der Alltags- kreativität, so wie man sie in der Ladengestaltung, auf Festen, Sportveranstaltungen und anderen Foren kleinbürgerlicher Kultur finden kann. Krauß begreift den Materialismus der einfachen Handelswaren und die ihnen eingeschriebenen Paradoxien als Mittel zur Kommunikationsaufnahme mit seiner Umwelt. Er nimmt bewusst die Haltung eines Hobbyist-As-Professional ein, eines Dilettanten – zum Beispiel als freiwilliger Mitarbeiter in einem Zoo oder bei der Vertiefung in das Wettgeschäft mit Trabrennsport –, der sich von üblichen Betriebsabläufen und Regelwerken lieber nicht einschränken lassen möchte. In seinen vielsprachigen Installationen verdichten sich scheinbar locker gesetzte Gesten und ein eigen- williger, zuweilen eklektischer Formalismus zu unberechenbaren Projektionsflächen.

Die Ausstellung im Koelnischen Kunstverein bietet für den Künstler im Vorfeld die Gelegenheit, eine Reihe neuer Arbeiten aus Schaumstoff und Styropor sowie anderen Materialien zu produzieren. Diese neuen Stücke wurden mit ausgewählten Werken aus einem breiten Zeitraum von 1994 bis 2011 zu einer temporären Installation verschmolzen, die nicht chronologisch oder nach Werkbegriffen sortiert ist, sondern durch den Wunsch geleitet wird, eine Ausstellungssituation zu schaffen, die gleichermaßen durch die Brüche wie Kontinuitäten in der Praxis von Krauß strukturiert ist.

www.koelnischerkunstverein.de

 

Bernd Krauß
Das ist heute möglich

Koelnischer Kunstverein 30.6. – 9.9 2012
Curator: Søren Grammel

The exhibition is the first institutional solo show of the artist in Germany in more than 15 years.

In his work Bernd Krauß uses techniques ranging from painting, drawing and sculpture to video, photography, printing, performance and theatre. In addition he pursues various long-term projects such as the production of a magazine not dissimilar to printed advertisement circulars. The magazine with the tabloidesque title “Der Riecher” is reproduced using copy shops and the internet. Krauß continuously absorbs the everyday around him and uses this material for his objects, performances and pictures as well as for his own improvised TV channel (“Channel Middle Franconia”).

His use of formats not specific to art practice and his preference for everyday forms of action is characteristic of his work as much as the distance he consciously keeps to the type of expert artists, who, by repetition attain mastery in their specific technique and spread it throughout the art system. By contrast Krauß adopts the attitude of a hobbyist – for example when he works as a volunteer at a zoo in Northern Norway or delves into betting in harness races – who is not constrained by the usual operating principles. In polyglot and multi-formatted installations casually set gestures and an unconventional formalism condense into unpredictable spaces of projection.

Bernd Krauß lives and works in in Stockholm. In 2011 and 2012 he spent long periods of time in Cologne.

www.koelnischerkunstverein.de

Dieser Beitrag wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Beitrag kommentieren

Möchten Sie HTML in Ihrem Kommentar verwenden?

Trackback URL http://www.con-tempus.eu/das-ist-heute-moglich/trackback/