Liu Xiaodong

Courtesy of Liu Xiaodong


Liu Xiaodong

Prozess Malen

06.06.-02.09.2012, Kunsthaus Graz

Eröffnung: 5.6.2012, 19 Uhr
Kurator: Günther Holler-Schuster

Liu Xiaodong zählt zu den prominentesten Vertretern jener chinesischen Künstler/innen-Generation, die innerhalb einer sich rasch und oft verändernden Gesellschaft groß geworden ist. An die Stelle der früheren System-Verherrlichung oder radikalen Widerständigkeit trat das Bemühen, sich innerhalb einer intensiv empfundenen Machtlosigkeit neu zu orientieren. Der klassisch ausgebildete Maler Liu Xiaodong hat die Tradition des Sozialistischen Realismus formal nie verlassen, aber dessen Inhalte drastisch verändert. Er gibt dem alltäglichen Leben vor dem Hintergrund radikaler Wandlungsprozesse eine Stimme und hält landschaftliche Veränderungen, vom Menschen ausgelöste Katastrophen sowie gesellschaftliche Auswirkungen des ökonomischen Wandels malerisch und filmisch fest. Liu sucht gemeinsam mit einem Team von Kameraleuten einen Ort auf, um das dortige Geschehen visuell zu erfassen. Die Malerei thematisiert die Entscheidung des festgelegten Ausschnitts, der Film hält die Vorgänge fest.

Für seine Ausstellung Prozess Malen hat Liu Xiaodong das obersteirische Eisenerz als Projekt-Ort ausgewählt. Diese alte Industrie- und Kulturlandschaft war und ist enormen Veränderungsprozessen ausgesetzt, die chinesischen Verhältnissen verblüffend ähnelt. Der Künstler lebte und arbeitete mit seinem Team einen Monat lang vor Ort, das Ergebnis wird im Kunsthaus Graz präsentiert.

www.museum-joanneum.at

 

Liu Xiaodong

The Process of Painting

Kunsthaus Graz, 06.06.-02.09.2012

Opening: 5th June 2012, 7pm
Curator: Günther Holler-Schuster

The painter Liu Xiaodong is one of the most well-known representatives internationally of a generation of Chinese artists who grew up in a new society marked by rapid and frequent shifts in perspective. He uses the language of form of Socialist Realism and conventional documentary media to lend a voice to daily life against the background of radical change. Earthquakes, changes in landscape and human-made ecological disasters as well as social formation based on economic transformation: all this has been captured by Liu Xiaodong. He confronts the developments by visiting the places concerned and attempting to capture the significance of events in visual form.

For the exhibition Liu Xiaodong. The Process of Painting in the Kunsthaus Graz, the artist has chosen Eisenerz in Upper Styria, Austria, as the location for his latest project where he lived and worked for a month with a team of assistants and camera operators. The situation with the centuries-old industrial and cultural landscape bears a striking resemblance with conditions in China. Eisenerz, exposed to an enormous process of change, is suddenly transformed into a global model. The degeneration caused by structural shifts and the accompanying social transformation have created clearly visible problems; attempts to overcome them are varied. As a painter Liu does not tackle events and historical developments in a combative way, rather as a chronicler. He attempts to express the transition from one form of society to the other through pictures.

www.museum-joanneum.at

 

 

Neue Galerie Graz

     Michelangelo Pistoletto, Ragazzo che si gratta la schiena, 1974 / Siebdruck auf poliertem Edelstahl © Collection of the artis

„Michelangelo Pistoletto. Selbstporträts, Spiegel, Minus-Objekte“

02.06.-14.10.2012, Neue Galerie Graz
Kurator: Peter Pakesch

Michelangelo Pistoletto gilt als einer der bedeutendsten Künstler des letzten halben Jahrhunderts. Wie kaum ein anderer hat er sich in seinem Kunstschaffen mit den epochalen Veränderungen der heutigen Welt und unserer Gesellschaft in der modernen Demokratie auseinandergesetzt. Die Kunst in die Gesellschaft zu bringen und sie mit dem Alltag zu verbinden steht im Mittelpunkt seines Werks. Partizipation ist neben Selbstrepräsentation und Reflexion ein zentraler Begriff in Pistolettos Kunstschaffen. Schon seit seiner Beteiligung an trigon 75 steht Pistoletto mit Graz in Verbindung, so etwa mit seiner Einzelausstellung im Künstlerhaus Graz (1988) und Ausstellungsbeteiligungen in der Neuen Galerie Graz und im Kunsthaus Graz.

Die Retrospektive in der Neuen Galerie Graz legt ihren Fokus auf die frühen Werke Michelangelo Pistolettos, mit denen er in den 1960er-Jahren international bekannt wurde. Die Schau zeigt neben zahlreichen Selbstporträts die berühmten und für ihn typischen Spiegelbilder und Minus-Objekte, die maßgeblich zur Entwicklung der italienischen Arte Povera beigetragen haben. Unter den insgesamt 58 Werken befinden sich auch fünf Videos von Aktionen aus den 60er-Jahren, die gemeinsam mit einer Auswahl von dokumentarischem Material die Retrospektive abrunden.

Abgestimmt auf die Personale im Joanneumsviertel beleuchtet auch das Kunsthaus Graz ab September (in Kooperation mit dem steirischen herbst) Pistolettos aktuelle Position im Kontext der Cittadellarte, einem kreativen, partizipatorischen „Labor“, das Kunst mit allen Bereichen menschlichen Handelns in Interaktion setzt.

Michelangelo Pistoletto wurde 1933 in Biella (IT) geboren. Er verfolgt eine ausgedehnte, internationale Ausstellungstätigkeit. Seine Arbeiten sind in den Sammlungen namhafter Museen vertreten, einschließlich des Museum of Modern Art, New York, des Hirshhorn Museum und Sculpture Garden, Washington D.C., der Tate Modern, London, des Castello di Rivoli, Turin, und des Museo Reina Sofia, Madrid. Er hat an zahlreichen bedeutenden Ausstellungen teilgenommen, so war er etwa elfmal an der Biennale von Venedig und viermal an der documenta präsent. Zu seinen jüngsten Projekten zählen Ausstellungen am Philadelphia Museum of Art, MAXXI, Rom, und der Serpentine Gallery, London. Neben der Neuen Galerie Graz und dem Kunsthaus Graz wird Pistolettos Werk 2013 auch im Louvre in Paris zu sehen sein. Der Künstler lebt und arbeitet in Biella, wo er das interdisziplinäre Laboratorium Cittadellarte gegründet hat.

www.museum-joanneum.at

 

Michelangelo Pistoletto

Self-Portraits, Mirrors, Minus-Objects

02.06.-14.10.2012, Neue Galerie Graz
Curator: Peter Pakesch

Michelangelo Pistoletto is considered one of the most important artists of the last half century. Like almost no other, he has tackled in his art the epoch-making changes in today’s world and our society in modern democracy. Bringing art into society and connecting it to everyday life lie at the centre of his work. Besides self-representation and reflection, participation is a key concept in Pistoletto’s art. Pistoletto has been connected with Graz since he took part in trigon 75, for example with his solo exhibition in the Künstlerhaus Graz in 1988 and his participation in exhibitions at the Neue Galerie Graz and in the Kunsthaus Graz.

The retrospective in the Neue Galerie Graz focuses on Pistoletto’s early works with which he became famous in the 1960s. Besides numerous self-portraits, the exhibition shows the famous and for Pistoletto typical mirror works and minus objects, which have made a decisive contribution to the development of the Italian Arte Povera. Among the 58 works in total, five videos of Actions from the 1960s can also be found, which together with a selection of documentary material round off the retrospective.

In tune with this solo exhibition in the Joanneum Quarter, the Kunsthaus Graz also sheds light from September onwards on Pistoletto’s current position in the context of the Cittadellarte, a creative, participatory “laboratory” which locates art interactively with all areas of human action (in collaboration with the steirischer herbst).

Michelangelo Pistoletto was born in Biella (IT) in 1933. He has exhibited extensively and his work is in the collection of numerous museums including the Museum of Modern Art, New York; Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington D.C.; Tate Modern, London; Castello di Rivoli, Turin, and the Museo Reina Sofia, Madrid. He has participated in several international exhibitions including the Venice Biennale on eleven occasions, and four iterations of documenta. Recent solo exhibitions have been presented at the Philadelphia Museum of Art, MAXXI, Rome, and the Serpentine Gallery, London and forthcoming projects are planned for Neue Galerie Graz, Kunsthaus Graz, and the Louvre, Paris in 2013. The artist lives and works in Biella, where he founded the interdisciplinary laboratory Cittadellarte in 1998.

www.museum-joanneum.at

 

 

„Rebranding European Muslims“


©Public Movement

„Rebranding European Muslims“ ist ein Projekt der israelischen Künstlergruppe Public Movement, das im Auftrag des steirischen herbst 2012 entsteht: Eine internationale Imagekampagne, die sich provokativ und produktiv mit dem Bild der muslimischen Bevölkerung in Europa auseinandersetzt. Die Ankündigung dieser Kampagne ist als eigenständige Arbeit im Rahmen der sogenannten Solidaritätsaktionen bei der 7. Berlin Biennale zu sehen.

Ein großes, zentrales Wandplakat in Berlin Mitte zeigt das Porträt eines anonymen Muslims zusammen mit der Aussage der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, Multikulturalismus sei „gescheitert, absolut gescheitert“. Public Movement sieht diese Erklärung als paradoxe Chance, ein neues Kapitel in den europäisch-muslimischen Beziehungen aufzuschlagen.

Das Projekt nimmt Merkels Äußerung als Ausgangspunkt, indem es sie in positivem Licht versteht und nutzt: als Gelegenheit, sich vom einfachen Vertrauen auf „Multikulti“ zu verabschieden und anzuerkennen, dass die Verantwortung für jenes Scheitern bei jedem Einzelnen liegt.

Die Kampagne selbst wird am 28/09/2012 mit einer festlichen Gala im Rahmen des diesjährigen steirischen herbst gelauncht. Anschließend wird sie in weiteren europäischen Ländern zu sehen sein.

www.steirischerherbst.at

rebrandingeuropeanmuslims.com

7. Berlin Biennale – Solidaritätsaktion #6: Rebranding European Muslims

Ort: Auguststraße 10 (Ecke Tucholskystraße), 10117 Berlin
27/04 – 01/07/2012

 

Public Movement: Rebranding European Muslims

„Rebranding European Muslims“ is a project by the Israeli performance and research group Public Movement, commissioned by steirischer herbst 2012: An international public relations campaign, which aims to change the image of the European Muslim population. The announcement of this campaign can be seen at the ongoing 7th Berlin Biennale as part of the so called solidarity actions.

A billboard presents a portrait of the anonymous Muslim with the declaration „multiculturalism has failed, completely failed“ by German Chancellor Angela Merkel. Public Movement takes this statement as a chance to begin a new chapter in European/Muslim relations.

The strategy of the project is to understand Merkel’s statement in a positive light, using this as an opportunity to end the reliance on „multiculti“ and to consider that all people are responsible for the failure.

The campaign itself will be launched on 28/09/2012 with a grand gala as part of steirischer herbst festival 2012 and will subsequently spread to other European countries afterwards.

www.steirischerherbst.at rebrandingeuropeanmuslims.com 7. Berlin Biennale – Solidarity Action #6: Rebranding European Muslims
Venue: Auguststraße 10 (Corner Tucholskystraße), 10117 Berlin
27/04 – 01/07/2012

 

 

Secession

  ©David Claerbout

Diese Sonne strahlt immer / David Claerbout

03.05.-17.06.2012, Secession

Der belgische Künstler David Claerbout arbeitet vorwiegend mit zeitbasierten Medien wie Animation, Video und Sound ebenso wie mit Fotografie. In kontemplativen Installationen erkundet er die Qualitäten dieser ehemals autonomen Medien kurz vor ihrer Auflösung. Die Arbeiten erfordern Ruhe und Ausdauer; oft werden Charakteristika wie Bewegung versus Stillstand, Dauer versus Moment, Vergänglichkeit und Veränderung versus Beständigkeit und Kontinuität parallel eingesetzt. In seiner ersten Einzelausstellung in Österreich zeigt David Claerbout eine Auswahl zumeist jüngerer Arbeiten. Der Ausstellungstitel Diese Sonne strahlt immer ist ein Verweis auf elektrisches Licht als Ersatz für die Sonne. Den Künstler fasziniert, dass im Gegenlicht gefilmte Aufnahmen als besonders intensiv empfunden werden, obwohl es sich nur um schwache, projizierte Lichtstrahlen handelt, die auf einer gewöhnlichen weißen Wand reflektiert werden. In seinen Arbeiten drückt sich ein Bedauern um den Verlust an Sinneserfahrung aus, beschäftigt sich Claerbout doch mit natürlichen Phänomenen wie Spiegelung, Wind und Sonnenlicht.

Seine frühen medienkritischen Videoarbeiten, wie z.B. Kindergarten Antonio Sant’Elia, 1932 (1998), basieren auf gefundenen Fotografien, während seine Spielfilme das Konzept der Simultaneität von Antagonismen noch einen Schritt weiterführen: die Narration tritt dabei in den Hintergrund und natürliche, nicht kontrollierbare Phänomene wie beispielsweise das Sonnenlicht im 13-stündigen Bordeaux Piece (2004) werden zum Hauptakteur in Echtzeit. Um Claerbouts Arbeiten erfahren zu können, ist daher eines besonders wichtig: sich Zeit zu lassen.

David Claerbout, geboren 1969 in Kortrijk (BE), lebt und arbeitet in Antwerpen (BE) und Berlin (DE). www.secession.at

 

Not Moscow Not Mekka

Underwater Prayers for Overwater Dreams (the mulberry tree) © Slavs and Tatars, 2012

 

Slavs and Tatars

03.05.-17.06.2012, Secession

Das Kollektiv Slavs and Tatars versteht sich als „eine Faktion der Polemik und Intimität, die sich mit dem als Eurasien bekannten Gebiet östlich der ehemaligen Berliner Mauer und westlich der Chinesischen Mauer beschäftigt.“ Die Arbeit des Kollektivs erstreckt sich über unterschiedliche Medien und Disziplinen und deckt ein breites Spektrum kultureller Register von U bis E ab. Gegenwärtig arbeiten Slavs and Tatars an ihrem dritten Zyklus, The Faculty of Substitution, über mystischen Protest und die revolutionäre Rolle des Heiligen und des Synkretistischen. Der neue Zyklus von Arbeiten beinhaltet sowohl Beiträge bei Gruppenausstellungen  als auch Einzelbeiträge wie Not Moscow Not Mecca in der Secession, Wien, Khhhhhhh in der Moravia Galerie, Brünn, Beyonsense im MoMA, NY und im Künstlerhaus Stuttgart.

Mit der Ausstellung Not Moscow Not Mekka im Grafischen Kabinett sowie mit einer Installation im Außenraum der Secession schreiben Slavs and Tatars die Autobiografie einer hierzulande nur wenig bekannten Region, die viele Namen trägt: von Zentralasien bis Chorasan, von Turkestan bis Ma Wara‘ al-Nahr – einem Ort, der auf Arabisch „das Land hinter dem Fluss“ bedeutet. Das Kollektiv geht dabei von der Kraft der Flora aus, die für diese Region steht und die aus dieser Region auf sinnliche Art und Weise zu uns spricht. In konzeptueller Klarheit und gleichzeitiger formaler Überschwänglichkeit aktivieren sie Früchte wie etwa den Granatapfel, die Quitte, die Maulbeere oder die Wassermelone als WissensträgerInnen aus fernen Welten und präsentieren sie als Opfergaben in einem offenen Schrein, der die BesucherInnen zum Verweilen und zur gemeinschaftlichen Diskussion im Ausstellungsraum einlädt. Ausgehend von der Frucht als Medium, um überkommene Vorstellungen von mündlicher Überlieferung und schriftlicher Fixierung herauszufordern, öffnen Slavs und Tatars Themenfelder wie den Einfluss von Landschaft auf die Erinnerung oder die Dichotomie zwischen heiligem und profanem Wissen und konfrontieren diese mit den Hinterlassenschaften der westlichen Moderne. Die Ausstellung ist eingebettet in einen mehrteiligen Ausstellungszyklus mit dem Titel The Faculty of Substitution, mit dem die KünstlerInnen dem Thema der Selbsterkenntnis im weitesten Sinne nachgehen. Stets auf der Suche nach einer Vergleichsbasis zwischen den Kulturen, zwischen Orient und Okzident, zwischen der Moderne und dem Islam, entdecken sie Ähnlichkeiten im scheinbar Unvergleichbaren. Diese Gleichsetzungsprozesse führen zu einer Aneignung und Neuauslegung der Geschichte, die im Widerspruch zu den bekannten und großen Erzählungen der Mächtigen und Siegreichen steht.

Das Kollektiv Slavs and Tatars wurde 2006 gegründet.    www.slavsandtatars.com

 

©Stephan Dillemuth, Ausstellungsansicht 2010, cc-by-sa

Stephan Dillemuth

03.05.-17.06.2012, Secession

Stephan Dillemuth begreift seine Möglichkeiten als bildender Künstler vor dem Horizont der sich verändernden modernen Öffentlichkeit. Im Nachdenken über die eigene Rolle und künstlerische Handlungsmöglichkeiten geht er beispielweise der Frage nach, inwieweit Selbstorganisation und persönliche und kollektive Integrität im Rahmen unserer Kontrollgesellschaft herzustellen sind. Kunst schafft für ihn mit den ihr innewohnenden Methoden der Reflexion, Analyse und des Experiments zwar Schönheit, besitzt aber auch ein gesellschaftsveränderndes Potenzial.

Mitunter untersucht Dillemuth zur Überprüfung aktueller Fragestellungen historische Bewegungen (z.B. Lebensreformbewegung, alternative Erneuerungsversuche der 1970er Jahre) und gesellschaftliche Umbruchsituationen (Räterepublik), stellt seine eigenen Recherchen jedoch stets mit experimentellen künstlerischen Mitteln in Frage und führt sie so zu neuen Ergebnissen. Das Resultat dieser Experimente sind Installationen, Inszenierungen und kollaborative Arbeiten ebenso wie Videos, Vorträge und Publikationen.

Stephan Dillemuth, geboren 1954 in Büdingen (DE), lebt und arbeitet in München (DE).
www.societyofcontrol.com

 

 

Grazer Kunstverein

©Rudolf Steckholzer

eine von euch / Tanja Widmann

Grazer Kunstverein
20.04. – 09.06.2012

Tanja Widmanns Arbeiten entstehen aus einem Interesse am Potential von Sprache und
ihrer Rolle in der performativen Konstruktion von Subjektivität. Im Anschluss an historische
Konzepte der videobasierten Performance untersucht sie Techniken der Reproduktion,
Erinnerung und Wiederholung, indem sie das Gegenüber der (Kamera) Apparatur als
Aufzeichnungs-, Affekt- und Interpretationsmaschine situiert. Sprache zeigt sich in
Widmanns Arbeiten in ihrer Konventionalität und Regelhaftigkeit, zugleich aber auch in
ihren Brüchen und Sprüngen als grundlegend ambivalente und offene Struktur. Während
das Subjekt vor der und für die Kamera agiert – spricht – scheint es zugleich in einer
Bewegung zwischen Vermögen und Unvermögen, Identifikation und Distanz, Sinn und
Unsinn als Leerstelle auf, die sich im ständigen Übergang zwischen Aktion und Reaktion
befindet. In Widmanns installativen Arbeiten stellen sich diese Videoperformances mit
Objekten im Raum ein, setzen sich in Relation, reflektieren einander und nehmen neue
Verknüpfungen vor.

Für ihre Einzelausstellung im Grazer Kunstverein entwickelt Tanja Widmann unter dem Titel
eine von euch eine gänzlich neue Arbeit. Ausgangspunkt der Installation bildet das Script
einer psychoanalytischen Sitzung von Felix Guattari mit seinem Patienten R.A., in der das
Aufnahmegerät selbst eine zentrale Stellung einnimmt. Über die Grundkonstellation dieser
Anordnung zwischen ‚wissenden’ und ‚unwissenden’ Subjekten sowie den Formen der
Medialisierung dieser Beziehung erkundet Widmann in einer raumgreifenden Assemblage
feministische wie auch kunst- und medientheoretische Fragestellungen, die auf den ersten
Blick so unterschiedliche Elemente wie Psychoanalyse, Primatenforschung, eine H&M
Kollektion sowie Stickereien und Makramee-Arbeiten in einer spekulativen Konstellation
zusammen ziehen.

www.grazerkunstverein.org

 

eine von euch / Tanja Widmann

Grazer Kunstverein
20.04. – 09.06.2012

Tanja Widmann’s work emerges from an interest in the potential of language and its role in the performative construction of subjectivity. Drawing on historical concepts of video-based performance, she analyses technologies of reproduction, memory and repetition situating the (camera)apparatus as a recording, affective and interpretational machine. In Widmann’s works, language shows itself in its conventionality as a rule-governed system, but surfaces at the same time as a fundamentally ambivalent and open structure through its ruptures and fissures. While the subject acts – speaks – for and before the camera, it turns into an empty signifier in constant flux between competence and incompetence, identification and distancing, sense and nonsense, finding itself in a permanent transition between action and reaction. In Widmann’s installations, these video performances are arranged as a speculative constellation creating a network of actions, objects and documents that are relating to and reflecting each other.

For her solo exhibition at Grazer Kunstverein, Tanja Widmann is developing a new large-scale installation entitled eine von euch [one of you]. The starting point of the piece is provided by the script of a psycho-analytical session between Felix Guattari and his patient R.A., in which the recording equipment itself takes on a central role. Via this basic configuration of ‚knowing‘ and ‚unknowing‘ subjects and the concurrent ways of medialisation, Widmann brings together such seemingly diverse elements as psychoanalysis, primatology, an H&M collection as well as embroidery and macramé works in a speculative constellation that explores gender- and media-related questions of identity construction within the performative dynamics of social groups.

www.grazerkunstverein.org

 

 

 

Truth is concrete

 

Ein 24/7-Marathon-Camp über künstlerische Strategien in der Politik und politische Strategien in der Kunst

„Kunst ist ein linkes Hobby“
(Geert Wilders)

Die Niederlande, Ungarn, Spanien, Großbritannien, Griechenland, Tunis, Ägypten, Syrien, Japan… eine Liste in progress von Ländern als Synonyme für Krisen, Hoffnungen, Katastrophen, die unsere Welt schneller ändern, also wir folgen können. Der Aufstieg der populistischen Rechten, finanzielle Kahlschläge, die das gesamte europäische Projekt bedrohen, strukturelle Zerstörung von Bildung und Kultur, demokratische Aufstände, islamischer und christlicher Fundamentalismus, Umweltkatastrophen: Wo anfangen, wo aufhören?

Welche Rolle spielt Kunst in diesem Rausch von Ereignissen, dem wir kaum folgen und den wir noch weniger verstehen können? Zu einer Zeit, in der die Theorie und die Praxis der Realität nur noch hinterherlaufen? In der Kunst eher als linkes Hobby denn als Fundament der Menschheit angesehen wird?

„Die Wahrheit ist konkret“ stand in großen Buchstaben über Bertolt Brechts Schreibtisch im dänischen Exil – Lenin zitierend, Hegel zitierend, Augustinus zitierend. Wir nutzen die Möglichkeit konkreter Wahrheit als Arbeitshypothese und suchen nach direktem Handeln, konkretem Wandel und Wissen. Im Großen wie im Kleinen, laut und aggressiv oder intim und vorsichtig. Offenkundig oder diskret. Eine Kunst, die nicht nur präsentiert und dokumentiert, sondern sich in spezifische politische und soziale Kontexte einmischt, und ein Aktivismus, der nicht nur um des Agierens willen agiert, sondern nach intelligenten, kreativen Mitteln der Selbstermächtigung sucht.

„Truth is concrete“ ist ein 7 Tage/24 Stunden-Marathon-Camp: Rund 200 Künstlerinnen und Künstler, Aktivisten und Aktivistinnen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tragen vor, performen, spielen, produzieren, debattieren, sammeln künstlerische Strategien in der Politik und politische Strategien in der Kunst. Tag und Nacht. Es ist eine Plattform, eine Werkzeugkiste ebenso wie ein performatives Statement; eine extreme Anstrengung in einer Zeit, die extreme Anstrengungen zu erfordern scheint. Der Marathon ist eine Maschine im Zentrum, die läuft und läuft, inspirierend und frustrierend. Inmitten einer camp-artigen Lebens- und Arbeitsumgebung als sozialem Raum, der seine eigenen Bedürfnisse und Forderungen definiert.

Vorträge, Diskussionen, Performances, Filme und Konzerte werden von eintägigen Workshops, Open Spaces und einer Ausstellung begleitet. Im Rahmen eines Stipendienprogrammes werden zudem 100 junge Studierende, Künstler, Aktivisten und Theoretiker aus aller Welt eingeladen. Um nicht einfach eine weitere Veranstaltung über Politik sondern selbst politisch zu sein, untersucht das Festival auch sein eigenes Format und seine alltäglichen Entscheidungsfindungen.

Weitere Informationen: www.truthisconcrete.org / truthisconcrete@steirischerherbst.at  / www.steirischerherbst.at

 

Truth is concrete

A 24/7 marathon camp on artistic strategies in politics and political strategies in art.

“Art is a left-wing hobby.”
– Geert Wilders

The Netherlands, Hungary, Spain, Great Britain, Greece, Tunis, Egypt, Libya, Syria, Japan… A list in progress of countries as synonyms for crises, hopes, disasters that are changing the world so fast, we can’t keep track: Financial devastations threatening the whole European project, the rise of the populist right, fundamental destruction of economical, educational and cultural structures, democratic uprisings, Islamic fundamentalism, threats of technological and ecological catastrophes – where to start, where to end?

 What is the role of art in this race of events that we can barely follow, let alone properly understand? At a time when theory and practice are constantly running behind reality? When art is seen rather as a mere leftist hobby than a foundation of humanity?

 “Truth is concrete” is the sentence written in big letters over Bertolt Brecht’s working desk in his Danish exile – quoting Lenin quoting Hegel quoting Augustin. We take the possibility of truth as a working hypothesis and look for direct action, for concrete change and knowledge. Big or small scale, loud and aggressive, or intimate and careful. Obscure or obvious. An art that not only presents and documents but that engages in specific political and social situations – and an activism that not only acts for the sake of acting but searches for intelligent, creative means of self-empowerment: artistic strategies and tactics in politics, political strategies and tactics in art.

 “Truth is concrete” is a 24-hour, 7-day marathon camp: 200 artists, activists and theorists lecture, perform, play, produce, discuss, collect artistic strategies in politics and political strategies in art. All day long, all night long. It is a platform, a toolbox as well as a performative statement, an extreme effort at a time that seems to need some extreme efforts. The marathon is a machine, running in the centre, inspiring and frustrating. Surrounded by a camp-like living and working environment as a social space, that defines its own needs and demands. Having to miss is part of having to make choices.

 Lectures, discussion, performances, films and concerts will be accompanied by one-day-workshops, open spaces and an exhibition. A full grant program invites additionally 100 students and young professionals from all over the world In an attempt to not create just another event about politics, but a political event itself, the festival also investigates its own format and its own everyday decision making.

 More information: www.truthisconcrete.org / truthisconcrete@steirischerherbst.at  / www.steirischerherbst.at

 

PINAKOTHEK DER MODERNE

Garry Winogrand, Los Angeles, California, 1969  ©Estate of Garry Winogrand

 

TRUE STORIES

Amerikanische Fotografie aus der Sammlung Moderner Kunst

02.03.2012 – 30.09.2012
PINAKOTHEK DER MODERNE

Die amerikanische Fotografie bildet einen umfangreichen und zugleich hochkarätigen Sammlungsschwerpunkt, der nun erstmals in einem konzentrierten Überblick vorgestellt wird. In den 1960er Jahren beginnt eine junge Generation von Fotografen, sich den veränderten politischen, gesellschaftlichen und ökologischen Bedingungen der amerikanischen Lebensrealität anzunähern. Inspiriert durch den dokumentarischen Stil Walker Evans‘ entwickeln sie neuartige Bildformen, die nicht nur nachfolgende Generationen, sondern auch die deutsche Fotografie für Jahrzehnte stark beeinflussen. Während die schon heute zu den modernen Klassikern zählenden Fotografen Robert Adams, Lewis Baltz, Larry Clark, Lee Friedlander und Garry Winogrand weiterhin der Schwarzweißfotografie verpflichtet bleiben, haben William Eggleston und Stephen Shore für ihre visuellen road movies die Farbfotografie als künstlerisch eigenständige Ausdrucksform etabliert. Die Ausstellung spannt den Bogen von der Straßenfotografie der späten 1960er Jahre bis hin zu den erst vor einigen Jahren entstandenen New York Fotografien der Künstlerin Zoe Leonard.

Mit freundlicher Unterstützung von PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e.V.

www.pin-freunde.de

 

TRUE  STORIES

AMERICAN PHOTOGRAPHY FROM THE SAMMLUNG MODERNE KUNST

02.03.2012 – 30.09.2012  PINAKOTHEK DER MODERNE

A concise overview of American photography, that forms a comprehensive and high-calibre focal point within the collection, is now to be presented for the first time. At the beginning of the 1960s, a young generation of photographers started to take a close look at the changing political, social and environmental conditions that reflect the reality of American life. Inspired by Walker Evans‘ documentary style, they devised revolutionary pictorial forms that not only greatly influenced subsequent generations for decades but German photography as a whole. Whereas Robert Adams, Lewis Baltz, Larry Clark, Lee Friedlander and Garry Winogrand, who are now seen as classical modern photographers, were committed to black-and-white photography, William Eggleston and Stephen Shore established colour photography as an artistic form of expression of their own in their visual road movies. The exhibition covers the whole spectrum from street photography in the late 1960s to the pictures taken by the artist Zoe Leonard just a few years ago in New York.
Generously sponsored by PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e.V. 

www.pin-freunde.de

 

 

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