steirischer herbst 2013

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Liaisons dangereuses:

Alliances, misalliances und falsche Freunde

If you can’t be with the one you love love the one you’re with

Stephen Stills
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Das Leitmotiv des diesjährigen steirischen herbst fragt nach dem Wesen von gefährlichen Beziehungscocktails, nach Verbindungen, die in all ihrer Fragilität leidenschaftlich, explosiv, aber immer kraftvoll sind. Liaisons – die Übersetzung aus dem Französischen umfasst weit mehr als Techtelmechtel oder Liebesaffären, geht es doch um Verbindungen, Beziehungen und deren Transformation, in Gesellschaft, Kunst und Kultur, im Privaten wie in der Politik. Ging es vor einem Jahr beim steirischen herbst um die Rolle der Kunst in gesellschaftsverändernden Momenten, so fragen wir uns heuer daran anschließend: Welche Koalitionen und Kompromisse werden geschlossen, um Visionen und Ziele durchzusetzen? Welche Abhängigkeitsverhältnisse tun sich da auf? Welche Maß – und Missverhältnisse bilden sich in Seilschaften, Zwangsehen aller Art ab? Was, wenn der Grat zwischen Koalition und Korruption immer schmäler wird? Und was sind denn letztlich die Konstellationen, in denen nun endlich vorwärtszukommen wäre? Wie immer sind es mehr Fragen als Antworten, die uns bewegen.

www. steirischerherbst.at

 

 

© Silvano Magnone

 

A Two Dogs Company / Kris Verdonck (BE)

H, an incident

Fr 20/09, 15.30 & 19.30,
Sa 21/09, 17.30 & 21.30
Helmut-List-Halle

Schauspieler, die aussehen, als wären sie gerade einem Cartoon entsprungen, ein Orchester aus Roboterinstrumenten, die technisch derart raffiniert ausgeführt sind, dass sie zu vollwertigen Ensemblemitgliedern werden, und ein isländischer Frauenchor tummeln sich auf der Bühne, die der belgische Theatermacher und Bildkünstler Kris Verdonck rund um die Texte des russischen Autors Daniil Charms (Harms) (1905–1942) gebaut hat.

Ein virtuoses Sprach- und Maschinentheater, bedrohlich und zugleich in scheinbar kindlicher Phantasie befangen. Und vielleicht deswegen ganz nahe an Charms, der es vor dem Hintergrund des Stalinismus auf unnachahmliche Weise verstand, die Beschreibung harter gesellschaftspolitischer Realität mit der leichtesten, absurden Geste zu verbinden. Seine Protagonisten fallen aus Fenstern, lösen sich auf, werden unvermittelt vom Mob drangsaliert, verschwinden spurlos, sterben. Wie sie das in seinen Kurztexten und Stücken tun, kann allerdings Lachanfälle auslösen. Persönlich hat Daniil Charms für seine Texte teuer bezahlt, wurde unter Stalin mehrfach inhaftiert und verhungerte am Ende in einer Irrenanstalt.

Auf literarische Vorlagen hat sich Kris Verdonck schon früher bezogen – auf Franz Kafka etwa („K, a society“) oder auf Schriften des Theatermachers Heiner Müller („M, a reflection“). „H, an incident“ ist aber sein erstes Musiktheater. Wie sich der Einzelne zur Gruppe, zur Gesellschaft verhält, interessiert ihn an Charms genauso wie die Frage, was sich an diesem Verhältnis unter den Bedingungen erhöhter sozialer wie technischer Kontrolle verändert hat. Zur Seite stehen ihm dabei eine Gruppe von Robotikforschern, die isländische Choreografin Erna Ómarsdóttir, der Musiker Valdimar Jóhannsson – der mit Ómarsdóttir auch das dunkle Metal-Projekt Lazyblood betreibt – und der Komponist Jónas Sen, der auch schon für Björk arrangiert hat.

www. steirischerherbst.at

 

 

 

© Roland Rauschmeier

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Anne Juren (AT/FR)

Happy End

Fr 20/09, Sa 21/09 & So 22/09, 19.30
Dom im Berg

Eine Choreografie zur Installation zum Roman: „The Happy End of Franz Kafka’s Amerika“, die letzte große Installation, die der Künstler Martin Kippenberger vor seinem Tod schuf, macht Anne Juren, Mitgründerin der Wiener Tanz- und Kunstbewegung, zum Ausgangspunkt ihrer Arbeit, in der sie Themen wie Sehnsucht und Versagen ebenso ergründet wie die Frage, welchen Bedingungen künstlerisches Schaffen heute unterworfen ist.
Kippenbergers Installation behauptet, ein Happy End für Kafkas Romanfragment „Amerika“ bereitzuhalten. Darin wiederum geht es um den 16-jährigen Karl Rossmann, den seine Eltern nach Amerika schicken, nachdem er von einem Dienstmädchen verführt wird, die nun ein Kind von ihm erwartet. Nach einer Reihe existenzieller Erfahrungen landet Karl am Ende im Naturtheater Oklahoma, Zugehörigkeit und Zurückweisung sind wiederkehrende Themen dieser Reise. Erfahrungen, die auch Kippenberger nicht fremd waren und die sich in seinem Œuvre widerspiegeln.
Mit Faszination, zugleich mit Widerwillen gegenüber den Biografien, den Erfolgen und Misserfolgen dieser Männer, die Literatur- und Kunstgeschichte geschrieben haben, machen sich Juren und vier weitere Tänzerinnen und Tänzer daran, den sieben Kapiteln von Kafkas Text ausgehend von Kippenbergers Werk so etwas wie körperliche Präsenz zu verschaffen. Ein Stück, das sich zwischen Gewohntem und Neuland bewegt und das – trotz allgemeiner Krisenstimmung – ganz ohne Ironie am Glauben festhält, dass das Unkontrollierbare letzten Endes doch zu beherrschen ist.

www.steirischerherbst.at

 

 

 

©  atelier le balto

 

atelier le balto (DE/FR)

Ex-Zollamt

Festivalzentrum steirischer herbst
20/09  – 13/10/2013

Nach der Revolution kommt die Neuorientierung, auf Umbrüche folgen Zeiten, in denen die künftigen Verhältnisse neu verhandelt werden. Es sind fragile Momente, in denen sich entscheidet, ob es zu einer Verständigung kommt, ob neue Ordnungen entstehen. Bis es so weit ist, bleiben die Ereignisse in gefährlicher Schwebe. Das Terrain ist unübersichtlich und die Ausnahme die Regel. Auch das Festivalzentrum des steirischen herbst ist heuer mehr Zone in Bewegung denn starres Zentrum, lagert sich flexibel an das Gelände des ehemaligen Zollamts am Bahnhofgürtel an. Ein Areal, weder wirklich Peripherie noch Zentrum, das an Zeiten erinnert, als die Globalisierung der Märkte weniger schrankenlos und die Verhältnisse sichtbarer begrenzt waren.
Das Jugendkulturzentrum Explosiv markiert in dieser Zone mit Nachtbar, mit Konzerten und mit Sonntagskino eine Seite des Möglichkeits-spektrums, das alte Zollamt eine weitere: Die Installation „Close Link“ macht intime, sonst verborgene Beziehungssysteme sinnlich erlebbar, die herbst-Ausstellung „Liquid Assets“ leuchtet künstlerisch die Opazitäten der globalen Finanzströme aus, während die große Halle zugleich als Tagescafé und herbst-Bar, als Schauplatz unberechenbarer „One Night Stands“ und als sonntäglicher Kreuzungs- und Treffpunkt alternativer Handelswege dient.
Über das gesamte Terrain zwischen Explosiv und Zollamt, über Hof und Garten, setzen die Landschaftsarchitekten des atelier le balto, die bereits die Gärten des Palais de Tokyo in Paris oder der Berliner Kunst-Werke gestaltet haben, eine Gruppe merkwürdig schwebender Häuser. In der Nacht leuchten sie, erinnern an zerbrechliche Garten- oder Glashäuser, stellen Bezüge zur Geschichte des Geländes her und schaffen Orte, die sich zwischen innen und außen, öffentlich und privat, zwischen transparent und verborgen bewegen.

Programm im Ex-Zollamt

 

 

 

© Sebastian Arpesella

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Federico León (AR)
Las Multitudes

Österreichische Erstaufführung
Do 10/10, Fr 11/10 & Sa 12/10, 19.30
Helmut-List-Halle

Ein junger Mann sucht mit seinen Freunden die junge Frau, in die er verliebt ist. Doch sie verehrt einen Älteren, einen Musiker, und der ist ebenfalls vergeben. Szene um Szene und gemeinsam mit 120 Schauspielern entwickelt der argentinische Theater- und Filmemacher Federico León aus dieser einfachen Situation ein außer-gewöhnlich poetisches, ein berührendes, mit feinem Witz durch-wobenes Tableau der Generationen.
Jeweils zwölf weibliche und zwölf männliche Vertreter jeder Generation hat León in Graz für diese Produktion gecastet: Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, Erwachsene, Seniorinnen und Senioren. Anfangs treten diese als geschlossene Gruppen auf, nach und nach bilden sich Beziehungen heraus, neue Konstellationen entstehen. Eine Band, ein Schwarm, Seilschaften und Netzwerke, ein Club. Einige entstehen spontan und chaotisch, andere sind wohl organisiert. Manche verflüchtigen sich ebenso schnell, wie sie sich gebildet haben.

León wirft in „Las Multitudes“ Fragen auf, die aktueller nicht sein könnten. Antonio Negri und Michael Hardt, auf die sich León zwar nicht explizit bezieht, haben zuletzt ähnliche Fragen zur globalen Krise der Demokratie gestellt und als neuen Souverän die „Multitude“, die vielfältige Menge, vorgeschlagen. Was aber macht Zugehörigkeit aus? Wie erlangen Gemeinwesen Bestand? Wie konstituieren sich Bündnisse, warum zerfallen sie? Und wie lässt sich bei all der Notwendigkeit, Kompromisse einzugehen und Allianzen zu schmieden, individuelle Freiheit und Verschiedenheit wahren?

www.steirischerherbst.at

 

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© Dorian Šilec Petek

 

Carmina Slovenica (SI)
Was haben sie gegen Bauern, Gnädige Frau?

Premiere 22/09/2013, Gallus Hall, Cankarjev dom Ljubljana, 7.30 p.m.

“What have you got against peasants, lady?” he had asked, before he obeyed her request.

Memories are the main protagonists, and voices from the past are the ones that lead us to unexpected effects where Time takes initiative for action.

At the foot of the hill where my house sits, I step from my car and open the trunk. I take off the suit and my German shoes, rip the tie off my neck, the shirt off my breast, the buttons popping, and throw the alien clothes into the trunk. I see the stars of my motherland, they are brighter than those in Germany, there’s no smoke between me and the sky.

www.zbor-carmina-slovenica.si

 

 

 

Albert Oehlen / Ohne Titel, 1983 / Mischtechnik, Collage auf Leinwand,  40 x 50 cm / Courtesy of the artist / Photo: Lothar Schnepf © 2013 Albert Oehlen

 

Albert Oehlen.

Malerei

mumok
07/06 – 20/10/2013
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Die Ausstellung Albert Oehlen. Malerei zeigt erstmals in Österreich einen umfassenden Überblick über Oehlens Werk von den frühen 1980er – Jahren bis in die Gegenwart und enthält Schlüsselwerke aller Schaffensphasen. Mit über 80 Gemälden, Collagen, Computerdrucken, Zeichnungen und einer Installation aus dem Jahr 2005 handelt es sich um die bisher umfangreichste Darstellung von Albert Oehlens breit gefächertem Werk. „Dies ist die erste Gelegenheit, Oehlens Malerei in diesem Umfang an einem Ort sehen zu können“, so Direktorin Karola Kraus. Der Ausstellungsrundgang stellt unterschiedliche Werkgruppen einander gegenüber, die sich in einem ständigen „Widerstreit der Ideen“ (Albert Oehlen) befinden. Sie laden sich gegenseitig suggestiv auf, kommentieren einander und stellen sich infrage. Zudem wird erstmals ein neuer Werkzyklus gezeigt, in dem Oehlen Collagetechnik und aktionistische Fingermalerei programmatisch aufeinander bezieht.
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Albert Oehlen (geb. 1954 in Krefeld) ist nicht nur einer der einflussreichsten, sondern auch streitbarsten Maler der Gegenwart. Sein Projekt einer Aktualisierung der Malerei besteht nicht zuletzt darin, das althergebrachte Medium sowohl gegen seine Kritiker wie auch gegen seine unbedarften Verteidiger in Stellung zu bringen. Ganz gezielt setzt Oehlen die Malerei an mehreren Fronten einer Konfrontation aus: mit ihrer eigenen Geschichte, mit ihren Klischees ebenso wie mit ihren verpassten Gelegenheiten; und auch mit der Übermacht der Images von Werbe – und Popindustrie. Er versucht, der totgesagten Malerei ihre Frische und Komplexität zurückzugeben, indem er die Angriffe und Polemiken auf ihre Tradition nicht beiseiteschiebt, sondern das Bild zu ihrem lebendigen Austragungsort werden lässt.
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„Es ist, als würde Oehlen die Malerei beständig überlisten: Die inneren und äußeren Feinde der Malerei – Avantgarde und neue Technologien – werden ins Bild geholt und Klischees wie Schönheit oder Virtuosität trickreich eingeschmuggelt“, beschreibt Kurator Achim Hochdörfer Oehlens malerische Strategie.
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©  Mathias Poledna

Mathias Poledna

La Biennale di Venezia 2013

Mathias Poledna

Austrian Pavilion
01/06 – 24/11/2013
   
Mathias Poledna (geboren 1965 in Wien) hat an der Universität für angewandte Kunst und der Universität Wien studiert. Er lebt und arbeitet seit 2000 in Los Angeles.

In seiner Arbeit beschäftigt sich Poledna mit Verbindungen zwischen Kunst und Unterhaltungskultur, der Moderne in Architektur und Design, der Sprache des Kinos und der Geschichte des Ausstellens. Seine Werke zeichnen sich durch eine rigorose Auseinandersetzung mit dem Medium Film und der Funktion von Bildern in Gegenwart und Vergangenheit aus. In den letzten Jahren haben sie zumeist die Form äußerst konzentrierter, filmischer Installationen mit reichen Bezügen zur Kultur des 20. Jahrhunderts angenommen.

Polednas Arbeiten sind in Österreich in den Beständen des MUMOK, des Belvedere und der Generali Foundation vertreten. International sind sie beispielsweise in den folgenden Sammlungen zu finden: The Museum of Modern Art (MoMA), New York; Whitney Museum of American Art, New York; New Museum, New York; Museum of Contemporary Art Chicago; Museum of Contemporary Art (MOCA), Los Angeles; Hammer Museum, Los Angeles; Stedelijk Museum, Amsterdam; und Museu d‘Art Contemporani de Barcelona (MACBA).

Mathias Poledna wird von der Galerie Daniel Buchholz, Berlin/Köln, der Galerie Meyer Kainer, Wien, sowie Richard Telles Fine Art, Los Angeles, vertreten.

www.labiennalevenezia.at

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

steirischer herbst 2013

Liaisons dangereuses: Alliances, misalliances and false friends

20/09 -13/10/2013

“Alliances, misalliances and false friends: Liaisons dangereuses”, the leitmotif of this year’s steirischer herbst looks at the nature of dangerous relationship cocktails, of connections which, for all their fragility, are passionate, explosive and always powerful. A “liaison”, from the French perspective, is much more than a flirt or a love affair: it can be applied to connections, relationships and their transformation –in society, art and culture and in both the private sphere and in politics. While one year ago, steirischer herbst focused on the role of art in society – changing moments, we now proceed to consider the following:

what coalitions and compromises are entered into in order to carry through visions and goals? What relations of dependence open up? What scales and disparities are reflected in old boy networks, “forced marriages” of all kinds? What if the line between coalition and corruption gets thinner and thinner? And, in the end, what are the constellations in which we could finally make headway? As always, it is more the questions than the answers that move us. And, as always, these questions will feature recurrently in the steirischer herbst programme – playful, direct – and often associative.

www.steirischerherbst.at

 

Albert Oehlen

Malerei

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mumok 
07/06 – 20/10/2013
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The exhibition Albert Oehlen. Malerei will present the first comprehensive overview in Austria of Oehlen’s work from the early 1980s to the present, including key works from all phases of the artist’s career. With more than 80 paintings, collages, computer prints, drawings, and an installation from 2005, this is the hitherto largest presentation of Oehlen’s highly diverse oeuvre. “This is the first opportunity to see such a large range of Oehlen’s work in one place,” says director Karola Kraus. The exhibition design compares and contrasts different groups of works, which are involved in a permanent “dispute of ideas” (Albert Oehlen). These various groups will transfer energy to and from, commenting on and questioning each other. The exhibition will also show for the first specially painted cycle, in which Oehlen programmatically refers collage techniques and actionist finger painting to each other.
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It is as if Oehlen were continually out – tricking painting. The intrinsic and extrinsic enemies of painting — avantgarde and new technologies — are brought into the picture, and clichés like beauty or virtuosity are smuggled in cunningly,” says curator Achim Hochdörfer about Oehlen’s painterly strategy.
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MATHIAS POLEDNA (AT)

Secession

Mathias Poledna deals in his work with connections between art and entertainment, modernism in architecture, fashion and design, the language of film and the history of exhibition-making, often taking the specific historicity of these phenomena as his point of departure. Most recently, he has been producing extremely concentrated cinematic installations that develop complex tensions between their subject matter and the associated references and cultural notions. The artist’s interest in different ways of expressing modernity manifests itself in the special, often highly diverse subjects in his work, ranging from post-punk music to a rain forest in Papua New Guinea, and in the aestheticism and extreme reduction of their formal idiom. Though always new and in many cases created jointly with professional collaborators, they often give the impression of found material, seeming to draw on the visual language of the collective imagination of the past and the present.

www.secession.at

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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