steirischer herbst


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(c) Ann Liv Young & Michael A Guerrero

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Ann Liv Young (US)

Elektra

Do 16/10 & Fr 17/10, 21.30 & Sa 18/10, 19.30, Dom im Berg

In ihren lasziven, exaltierten wie gnadenlosen Shows versteht es die US-amerikanische Performance-Künstlerin Ann Liv Young, ihrem Publikum zu nahe zu treten. Trash und Tiefgang, nacktes Fleisch und Gender-Bewusstsein, Geißelung und Erlösung, Chaos und Ordnung – ihre Arbeiten dekonstruieren popkulturelle Stereotypen, interpretieren Märchen sehr eigenwillig oder erzählen die Biografien historischer Persönlichkeiten neu. Nicht selten, um so auf dem Boden trostloser Realität zu landen. Young verunsichert ihr Publikum, indem sie es provoziert, peinlich berührt und die Grenzen der Intimität überschreitet.
In „Elektra“ nähert sie sich der klassischen Tragödie von Sophokles. Elektras Welt ist eine verlorene, sie ist eine junge Frau mit denkbar gewalttätiger Familie. Ihr geliebter Vater Agamemnon opferte ihre Schwester, worauf die Mutter diesen mit Hilfe ihres Geliebten ermordete, ihr Bruder ist verschwunden und wird am Ende zum Rächer seiner Schwestern. Für die Performerin ist Elektra verrückt, authentisch, ehrlich, mitfühlend, standhaft – und tragisch, weil ihr individuelles Handeln, geprägt von Ehrgefühl, den gesellschaftlichen Regeln zuwiderläuft. Ann Liv Young sagt: „Wir möchten das Monster und den Teil in uns, der es nicht aufhalten kann, in Stücke reißen.“
Mit der Uraufführung von „Elektra“ setzt der steirische herbst seine Zusammenarbeit mit Ann Liv Young fort. Mittlerweile ein Superstar der internationalen Performance­szene, empfing sie hier bereits als Therapeutin Besucher in einem Hotelzimmer oder schlüpfte letztes Jahr für „Sleeping Beauty“ in die Rolle von Dornröschen, um der Märchenfigur ihre Unschuld zu nehmen.

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(c) Boris Brussey

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Boris Charmatz (F)

manger

Do 16/10, Fr 17/10 &  Sa 18/10, 19.30, Helmut-List-Halle

Es sind Themen von existenzieller Natur, die der französische Choreograf und Tänzer Boris Charmatz in seinen Stücken behandelt. Zuletzt beleuchtete er in „enfant“ das Verhältnis von Kindern und Erwachsenen. Damit unterstrich er abermals seinen Ruf als weltweit hoch gehandelter Tanz­erneuerer, der immer wieder die Grenzen zur bildenden Kunst und Philosophie überschreitet und so als Impulsgeber für innovative Entwicklungen in der internationalen Tanzszene fungiert.
„Tanzen ist die Mutter der Anorexie“ – diese Behauptung stellt er nun seinem neuen Stück „manger“ voran und untersucht unser zwiespältiges Verhältnis zum Thema Essen gerade im Hinblick auf den idealen Körper. Die Zufuhr von Nahrung betrachtet Charmatz in ihrer Metaphorik, er geht in seinem Stück mit 14 Tänzerinnen und Tänzern der Frage nach, wie es uns gelingt, die bittere Realität tagtäglich hinunterzuschlingen und zu verdauen.
Dafür unterzieht er den körperlichen Akt des Essens auch einer ästhetischen Betrachtung: Wir öffnen unseren Mund, wir kauen, wir schlucken und wir verdauen. Wir können im Liegen, Gehen oder Stehen essen. Und wir schaffen es sogar – man denke an den Filmklassiker „Das große Fressen“ – , so viel in uns hineinzustopfen, bis wir daran zugrunde gehen. „manger“ will einen konstitutiven Widerspruch sichtbar machen: Essen ist trotz aller Banalität und Alltäglichkeit bis zum Bersten mit Symbolik aufgeladen.

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(c) Jan Brokof und João Loureiro

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Andcompany & CO

Orpheus in der Oberwelt: Eine Schlepperoper

Fr 17/10, 19.30 & Sa 18/10, 21.30, Orpheum

Frontex und Stacheldraht: Europa macht dicht. Aus Angst, etwas abgeben zu müssen. Die Grenzen von andcompany&Co. hingegen sind offen – das internationale Kollektiv von Künstlern unterschiedlichster Disziplinen ist weltweit aktiv, ihre Themen politisch brisant. Oftmals in historischer Bezugnahme formulieren sie Kritik an aktuellen Missständen.
„Orpheus in der Oberwelt: Eine Schlepperoper“ handelt von jenem Grenzfluss im Osten Europas, den die Griechen Evros und die Türken Meric nennen. Unzählige Tote sind in der jüngsten Vergangenheit an seine Ufer geschwemmt und in einem „Friedhof der illegalen Einwanderer“ begraben worden – meterhohe Zäune und Minenfelder schotten diese Außengrenze Europas ab. Der griechischen Mythologie zufolge trieb ebendort einst der Kopf des Orpheus – die erzürnte Gefolgschaft des Dionysos hatte ihn von seinem Leib gerissen, nachdem er der Unterwelt entstiegen war.
Nun kehrt Orpheus wieder dorthin zurück, wird zum glücklosen Schlepper, denn der Weg nach Europa führt ins Totenreich. Inspiriert von Monteverdis Oper „L’Orfeo“ aus dem Jahr 1607 verschmelzen andcompany&Co. nicht nur Mythologie und Musik, sondern auch dokumentarisches Material und namenlose Schicksale zu einer neuen, alten Geschichte: Ein Mythos prallt auf die Realität – der zerrissene Leib des Orpheus auf die anonymen Toten an Europas Grenzwall.

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 (c) Crister Lundahl / Mixed media on paper

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Lundahl & Seitl

An Elegy to the Medium of Film

09/10 – 15/10, 14.30, 16.00, 18.30, 20.00 & 21.30

Schauspielhaus Graz / Ebene 3

Das Medium Film prägt unser Denken, Fühlen und Handeln stärker, als wir glauben. „An Elegy to the Medium of Film“ basiert auf der Annahme, dass wir filmische Erfahrungen so weit verinnerlicht haben, dass bereits kleinste Reize von außen reichen, um sie wachzurufen. Lundahl & Seitl dringen in die Tiefen unseres Bewusstseins vor, führen in einen abgedunkelten Raum, wo das Zusammenspiel von Filmprojektionen, Audiomaterial und choreografierten Berührungen sowohl Sedimente als auch Sentimente unserer filmischen Erinnerung aufwirbeln.
Besucherinnen und Besucher sehen sich anfangs vertrauten filmischen Instrumentarien gegenüber, bis die Kamera ein eigenes Bewusstsein zu entwickeln scheint. Sie werden eingeladen, über den Rahmen der Leinwand hinaus zu gehen und sich physisch in Szenen zu bewegen, die sie aus der Geschichte des Films kennen. Eingetaucht in diese Geschichte, treiben sie zwischen monumentalen Szenen, Klängen und Orten.
Lundahl & Seitls’ Arbeitsweise kommt aus der bildenden Kunst, sie lassen allerdings den Performance-Gedanken in ihre skulpturalen Arbeiten einfließen. So schaffen sie ein Gesamtkunstwerk, das genau im Moment seiner Entstehung gezeigt wird – als Elegie nicht nur auf bedrohte Kunstformen, sondern auch auf die architektonischen Hüllen, in denen sie präsentiert werden. In ihrer international viel beachteten Arbeit „Symphony of a Missing Room“, die bei den Salzburger Festspielen 2011 mit dem Montblanc Young Directors Award ausgezeichnet wurde, setzte sich das Duo mit dem Museum auseinander. „An Elegy to the Medium of Film“ hingegen wirft ein Schlaglicht auf eine mögliche Zukunft von Film und Kino, indem es die Besucherinnen und Besucher zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem filmischen Medium und seiner Schnittstelle zu unserer Welt animiert.

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(c) J.J. Kucek

Georg

Georg Nussbaumer (AT)

Ein weststeirischer Wasserfall

7 Chöre auf Reisen
Sa 11/10 & So 12/10, 13.00
Schlossplatz Stainz

Konzert mit 7 Chören
Sa 11/10 & So 12/10, 16.30
Pfarrkirche Stainz

Eigenartige Maschinen, Videos und sogar lebende Tiere – der Komponist und Installationskünstler Georg Nussbaumer scheut keine Mühen, um mit seinen lebendigen und raumgreifenden Klangkunstwerken alle Sinne anzusprechen. Auch „Ein weststeirischer Wasserfall“ hat der österreichische Komponist als vielschichtiges Klang- und Hörkunstwerk angelegt, das – Tradition mit Gegenwart verbindend – einen Blick in die Zukunft wirft.
Für den ersten Teil der Veranstaltung treten sieben steirische Chöre gemeinsam mit dem Publikum eine Busreise von ihren jeweiligen Heimatorten nach Stainz an. Während immer wieder an Orten gehalten wird, an denen Wasser fließt – am Dorfspringbrunnen, an Bächen und Teichen – bringen die Gesangsgruppen Nussbaumers Komposition zu Gehör: Ein langer, durch den Nachmittag fließender Ton, der sich immer wieder verändert, an- und abschwillt, sich verzweigt – und durch den traditionelles Volks- und Chorliedgut durchschimmert, in dem Wasser, dieses wertvolle Gemeingut, besungen wird. Die Sängerinnen und Sänger sind zudem mit Wasserflaschen ausgerüstet, die ihnen als Instrumente dienen und an jeder Wasserstelle neu gestimmt werden.
2006, als sein Projekt „Schwerefeld mit Luftabdrücken“ den steirischen herbst eröffnete, regnete es für eine luftige Komposition unzählige Objekte von der Decke. Für „Barkarola“ wanderten sechs Flügel eine Woche lang durch die polnische Stadt Łódź, „Invisible Siegfrieds Marching Sunset Boulevard“ geriet ihm in Los Angeles zu einer viertägigen, sich über 32 Kilometer erstreckenden Passagenoper. Und dieses Mal wird eine tönende und pfeifende „Flaschenorgel“ des Weges kommen, die am Ende des Nachmittags in der Pfarrkirche Stainz vom Vocalforum Graz in Empfang genommen wird, um im zweiten Teil der Veranstaltung den sakralen Raum mit einer gemeinsamen Woge der Stimmen zu fluten.

www.steirischerherbst.at

 

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 (c) wolfgang silveri

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Fortress of Backyards

Supersterz + .tmp architekten

Festivalzentrum steirischer herbst

27/09 – 19/19/2014

Jedes Jahr ist das Festivalzentrum des steirischen herbst ein zentraler, von allen geteilter Raum. Ein Ort der Begegnung, des Austausches und des Feierns. Heuer zieht das Festivalzentrum ins barocke Palais Wildenstein. Dem Leitmotiv „I prefer not to … share!“ folgend, werden Wände hochgezogen, welche das Terrain neu aufteilen. Es eröffnet nicht nur ein Lokal, auch die herbst-Bar mit DJ-Acts und Live-Konzerten findet Platz, sowie die herbst-Ausstellung – frischer Wind kommt in die ehemalige Polizeidienststelle. Und der Hinterhof wird zu einem Ort, an dem privates Wissen, lieb gewonnenes Werkzeug und Gerätschaften geteilt werden, sich neue und ungewohnte Nachbarschaften bilden, gemeinsam gegessen und getrunken wird. Zudem befinden sich mit dem Heimatsaal im Volkskundemuseum und der Antoniuskirche zentrale Spielorte des steirischen herbst 2014 direkt gegenüber.
Der Backyard ist das Hauptmotiv der temporären Architektur von Supersterz + .tmp architekten. Als Schlupfwinkel der Kleinbürgerlichkeit, als letzter Rückzugsort für Freigeister und Refugium vom Alltag, schafft der Hinterhof einen Spielraum für persönliche Tätigkeiten und Rituale. Er wird zum Schauplatz von Handwerkern, Pfuschern und Tüftlern, die an Fahrzeugen schrauben oder in Garagen basteln. Allerlei Fundstücke, die sonst in Schuppen oder auf Lagerplätzen zu finden sind, dienen der Möblierung und es entsteht ein Kippbild zwischen Gestaltung und trashigem Readymade.
In diesem Hinterhofparadies gelten eigene Regeln und Gesetze, es wird kein Unterschied zwischen Akteurinnen und Akteuren sowie Konsumierenden gemacht – die Grenzen und die Herrschaft über dieses Territorium befinden sich in Auflösung.

www.steirischerherbst.at

 

 

(c) wolfgang silveri

Marino

Marino Formenti (IT)

One to One

Fr 03/10, Sa 04/10 & So 05/10
Wildon

Fr 10/10, Sa 11/10 & So 12/10
Stainz

Fr 17/10 & Sa 18/10
Bad Gleichenberg

Seit Jahren arbeitet der Pianist und Dirigent Marino Formenti an der konsequenten Befragung seines Metiers. Er, der von der Kritik als „Glenn Gould der zeitgenössischen Musik“ gefeiert wird und Konzertsäle in New York, Paris, Wien oder London füllt, schafft daneben Räume der Begegnung, die die Hierarchie des klassischen Konzerts aufheben. Unvergesslich etwa das Projekt „nowhere“, das beim steirischen herbst 2010 uraufgeführt wurde und in dem Formenti über acht Tage und Nächte hinweg im GrazMuseum Werke von Eric Satie, Morton Feldman und Klaus Lang spielte – in einem öffentlichen und zugleich intimen, privaten Raum. Schon hier ließ er übliche Konzertkonventionen von Programm, Zeit und Ort hinter sich. Das Publikum war eingeladen zu kommen, zu gehen, für ein paar Minuten oder auch Stunden zu verweilen. Dennoch – Formenti schien nur für sich zu spielen, war ausgesetzt und zugleich ganz in sich versunken.
„One to One“ lässt sich quasi als Gegenstück dazu verstehen. Marino Formenti sucht hier – in privaten Räumen von großzügigen Gastgebern, die offen für Experimente sind – den direkten Kontakt, das Gespräch mit seinem Vis-à-vis und entwickelt das Konzert ganz individuell aus dieser Begegnung. Der Horizont dieses höchst intimen Ereignisses reicht von Anklängen an die eigene Musikerfahrung, wo immer sie auch verortet sein mag, zu neuen Aufbrüchen, eventuell zu gemeinsamem Musizieren, sicher aber zu Verführungen mit Unerhörtem. Bewusst hat auch hier Marino Formenti Orte gewählt, die nie auf den üblichen Routen der Konzert-Tourneen liegen. Er geht mit diesem Projekt in die Steiermark, wird in Bad Radkersburg, Wildon, Stainz, Bad Gleichenberg, aber auch immer wieder in Graz zu erleben sein.
So ein Moment will schwer errungen sein, und so ist es wenigen Beharrlichen vergönnt, dieses Duett zwischen Pianisten und Zuhörer zu erleben. Und weil das so ist, gibt es am Schluss ein Fest für alle – Marino Formenti lädt ein zu einem vormittäglichen „One for the Road“, zu einer Suche nach wilden Gefühlen, einem gemeinsamen Feiern und Musizieren in verschiedensten Konstellationen – wie immer: mit offenem Ausgang.

www.steirischerherbst.at

 

 

 

(c) Richard Mosse

Richard

Richard Mosse (IE)

The Enclave

musikprotokoll

27/09 – 12/10/2014  Kunsthaus Graz

Zwei Jahre lang war der irische Filmemacher und Fotograf Richard Mosse mit dem Kameramann Trevor Tweeten im östlichen Kongo unterwegs. Dort hat er sich auf die Fersen von Rebellengruppen geheftet und Orte besucht, die von Gewalt und Terror heimgesucht wurden. Über fünf Millionen Menschen sind bis heute in einem Bürgerkrieg ums Leben gekommen, der seit Ende der 90er-Jahre tobt.
„The Enclave“ ist eine filmische Installation, die authentische Soundscapes und die beängstigenden, auf einem 16-mm-Infrarotfilm festgehaltenen, farblich entrückten Bilder zu einer unheimlichen Elegie auf einen Albtraum namens Krieg verdichtet.
Wenn in „The Enclave“ die Panzer rollen und die Toten begraben werden, dann allerdings nicht wie das dokumentarische Material eines Kriegsreporters, sondern als künstlerisch-persönliche Annäherung an das Grauen. Die Installation war letztes Jahr bei der Biennale in Venedig zu sehen und läuft beim musikprotokoll des steirischen herbst als österreichische Erstaufführung.

www.steirischerherbst.at

 

 

(c) Christine Winkler / Courtesy Grazer Kunstverein

Ronald

Ronald Jones und Elio Montanari

Grazer Kunstverein 27/09 – 23/11/2014

Was eine Person über sich mitzuteilen bereit ist, unterliegt meist akzeptierten Formen der Verschleierung. Das Leitmotiv des steirischen herbst aufgreifend, wird der Grazer Kunstverein im Rahmen der Ausstellung diese akzeptierten Formen und somit den Prozess des kommunikativen Teilens genauer beleuchten und er lässt Kulturschaffende darüber zur Diskussion antreten.
Hauptausstellung ist die Einzelschau von Ronald Jones, die sich auf seine Werke aus den späten 80er- und frühen 90er-Jahren konzentrieren wird. Jones beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit dem politischen Potenzial von Objekten, die auf ihre Form reduziert, aber dennoch historisch sowie kritisch aufgeladen sind – und sich meist auf Isolation und Terrorismus beziehen.
The Members Library wird Originaldokumente des italienischen Fotografen Elio Montanari zeigen, der über 30 Jahre lang Künstlerinnen und Künstler fotografierte – ein fesselndes Zeugnis über den kreativen Akt und über Freundschaft, das einen Einblick hinter die Kulissen der Kunstpraxis gewährt.

 www.grazerkunstverein.org

 

 

 

Das Südbahnhotel (c) Yvonne Oswald

DAS

Das Südbahnhotel. Am Zauberberg der Abwesenheit.

Fotografien von Yvonne Oswald

10/09 – 11/01/2015 Jüdisches Museum Wien

Das Südbahnhotel auf dem Semmering vor den Toren Wiens steht als Symbol einer modernen und künstlerisch inspirierenden Epoche. Persönlichkeiten wie Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Karl Kraus, Alfred Polgar, Peter Altenberg, Gustav Mahler, Franz Werfel, Stefan Zweig, Sigmund Freud, Ludwig Wittgenstein, Felix Salten oder Robert Musil, die das Kultur- und Geistesleben des 20. Jahrhunderts prägten, sind in ihrem Schaffen eng mit dem Semmering verbunden. Nur 75 Jahre nach der Erschließung des Semmerings durch die Eisenbahn erklärten die Nationalsozialisten die Region als „judenrein“. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs konnte der Semmering nie wieder zu einer solchen Blüte gelangen – die Abwesenheit der früheren Gäste hinterließ auch dort eine Lücke, die nicht zu schließen war.

Die Fotografin Yvonne Oswald hat sich auf eine intensive Spurensuche begeben und fing die verbliebene Aura im Südbahnhotel mit der Kamera ein. „Das Südbahnhotel“ ist eine fotografisch-künstlerische Arbeit über das im historischen Kontext wichtigste weitgehend original erhaltene Palasthotel Mitteleuropas. Es versinnbildlicht die Leere, die durch die Ermordung und Vertreibung der Jüdinnen und Juden entstanden ist.

www.jmw.at

 

 

Karl Neubacher, Zimmerlinde, 1975, Filmstill, Film, 16 mm, Farbe © Karl Neubacher

KARL NEUBACHER

Karl Neubacher (AT)

Medienkünstler, 1926-1978

18/06 – 12/10/2014 Kunsthaus Graz

Karl Neubacher zählt neben Richard Kriesche und Peter Gerwin Hoffmann zu den Pionieren der Avantgarde bzw. der Konzeptkunst in der Steiermark. Die Tatsache, dass sich in Graz in den 1960er- und 1970er-Jahren auf diesem Gebiet Maßgebliches und weit über den regionalen Zusammenhang hinaus Wirksames entwickelte, gibt den Protagonisten Relevanz und hebt sie aus der Enge der Provinzialität deutlich heraus.

Neubacher, der sich 1969 mit Goeschl, Kriesche, Haberl, Hoffer u. a. zur Produzentengruppe pool zusammenschloss, war hauptsächlich als Grafik-Designer tätig. Als solcher hat er maßgebliche Arbeiten für die Kunstzeitschrift pfirsich, das Avantgardefestival steirischer herbst, die Firma HUMANIC u. a. realisiert.  Seine Plakate, die immer künstlerische Konzepte zur Grundlage hatten, wurden international bekannt und ausgezeichnet. Die Zusammensicht von Gebrauchskunst und strengen Formen der bildenden Kunst erzeugte ein einzigartiges Spannungsfeld, das für Karl Neubachers künstlerische Praxis bestimmend wurde.

Sein hauptsächlich eingesetztes Medium war die Fotografie. Daneben aber mindestens genauso wichtig war ihm der eigene Körper, den er in Performances einsetzte und mit den Medien Fotografie und Film dokumentierte – er selbst als „öffentliche Kunstfigur“.  Die in den 1970er-Jahren entstandenen Kurzfilme machen Karl Neubacher zu einem bis dato unentdeckten Avantgardefilmer.

Der Künstler wurde durchaus international rezipiert, jedoch ist Neubachers Werk heute nahezu in Vergessenheit geraten. Auch aufgrund seines frühen Todes handelt es sich um ein recht schmales Werk, das nicht zuletzt durch die Verweigerungshaltung des Künstlers niemals Eingang in den Kunstmarkt gefunden hat.
Die umfangreiche Retrospektive dieses spannenden und avancierten Werkes ist somit höchst angezeigt und ruft Graz als ehemalige Hauptstadt der Avantgarde in Österreich in Erinnerung.

www.museum-joanneum.at

 

 

 

 

 

John Baldessari, Color Corrected Studio (with Window), 1972-1973, Color photograph, painted, Photo: mumok © John Baldessari

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Die Gegenwart der Moderne

14/3 – 08/02/2015  mumok

In der Sammlungspräsentation Die Gegenwart der Moderne befragt das mumok das große utopische Projekt der Moderne nach seiner Aktualität und seinem Potenzial für nachfolgende Generationen. In der Neuaufstellung der Sammlung steht eine produktive Auseinandersetzung mit der Moderne zur Diskussion. Ästhetische und formale Übernahmen werden als Transfer des Repertoires der Moderne in neue Fragestellungen begriffen, die weit über die bloße Umwandlung von Moderne in selbstreferenzielle Modernismen hinaus gehen. Ein roter Faden, der sich durch das 20. Jahrhundert zieht, ist in dieser Hinsicht die Duchamp-Rezeption, die im Nouveau Réalisme und Fluxus eine große Rolle spielt. Marcel Duchamp, der die Produktion verweigerte, antworteten diese KünstlerInnen mit einer Überzahl von ihm gewidmeten Werken.

Die Gegenwart der Moderne zeigt die bei unserem Publikum beliebte Sammlung der klassischen Moderne in einer Neuaufstellung, die Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Fotografien, Möbel und Architekturmodelle umfasst. In der Verschränkung der alten mit den neuen Medien kommt der Fotografie eine besondere Aufgabe zu, die in der Ausstellung an Werken von Karl Blossfeldt oder René Magritte besonders deutlich hervortritt.
Erstmals setzt das mumok in einer Sammlungspräsentation auch einen Österreichschwerpunkt: Zu sehen sind Zeichnungen von Josef Hoffmann, Architekturmodelle von Adolf Loos oder Fotografien von Dora Kallmus.

Zentrale Themen sind darüber hinaus Architektur und urbanes Leben sowie Design und Konstruktion. So stellt Runa Islam in ihrem Film Empty the Pond to Get the Fish (2008) die modernistische Architektur des 20er Hauses, wo das mumok 1962 als Museum des 20. Jahrhunderts eröffnet wurde, in Bezug zu ausgewählten Werken aus der mumok Sammlung und gibt somit das Ausstellungsthema paradigmatisch vor. In seiner fotografischen Arbeit Color Corrected Studio (with Window) (1972–1973) überträgt John Baldessari die für Mondrian typische Strukturierung von Horizontalen und Vertikalen in sein Atelier. Die Fotoserie konterkariert dessen Funktionalität, indem sie ihm den Spiegel der Moderne vorhält.

www.mumok.at

 

 

steirischer herbst 2014

Festival of new art

26/09 – 19/10/2014

steirischer herbst has re-invented itself many times in its history – an amorphous institution in progress that poses the question as to its conditions and necessities as a very individual platform for new art every year.

As a festival, steirischer herbst is special in many respects: by dint of its many voices, its promotion of communication between the various disciplines of art, thanks to the link-up of aesthetic positions and theoretical discourse. Its clear-cut positioning as a festival of production and processes, of facilitation and initiation is also special – and increasingly necessary in the international politico-cultural situation.

The incorporation and networking of both international and regional artists, scenes and contexts is a central issue – steirischer herbst did, after all, emerge from an initiative of local scenes, on the one hand, and has taken productive advantage of its proximity to Slovenia, Croatia and the Central and Eastern European regions (long before the opening of most borders), on the other.

www.steirischerherbst.at

 

Marino Formenti (IT)

One to One

Pianist and conductor Marino Formenti has been working for years on the rigorous study of his metier. Celebrated in reviews as the “Glenn Gould of contemporary music”, who fills concert halls in New York, Paris, Vienna and London, he also creates spaces of encounter that suspend the hierarchy of the classical concert. Nobody will forget the “nowhere” project which premiered at steirischer herbst in 2010 and during which Formenti played works by Eric Satie, Morton Feldman and Klaus Lang over eight days and nights in the GrazMuseum – in a public, yet also intimate, private space. Here too, he left behind the usual concert conventions of programme, time and venue. The public were invited to come, to go, to stay for just a few minutes or linger for hours. Nevertheless – Formenti seemed only to be playing for himself, he was exposed and yet at the same time completely immersed in himself.

www.steirischerherbst.at 


Südbahnhotel. The Magic Mountain Abandoned.

Photographs by Yvonne Oswald

10/09 – 11/01/2014 Museum Judenplatz

The Südbahnhotel in Semmering near Vienna is the symbol of a modern and artistically inspiring epoch. Artists like Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Karl Kraus, Alfred Polgar, Peter Altenberg, Gustav Mahler, Franz Werfel, Stefan Zweig, Sigmund Freud, Ludwig Wittgenstein, Felix Salten, and Robert Musil, all of whom helped shape twentieth-century cultural and intellectual life, are closely linked with Semmering.
Just seventy-five years after the railway opened up the region, the Nazis declared Semmering “free of Jews.” After World War II, Semmering was never able to regain its former glory. The absence of earlier guests left a vacuum that has never been filled.

The photographer Yvonne Oswald set off to seek the traces of this bygone era and capture the residual aura of the Südbahnhotel with her camera. “Das Südbahnhotel” is an artistic photographic work with the extensively intact palace hotel, within its historical context one of the most important in Central Europe, as its subject. It is also a metaphor for the vacuum created through the murder and expulsion of the Jews.

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Richard Mosse (IE)

The Enclave

27/09 – 12/10/2014  Kunsthaus Graz

For two years, the Irish film-maker and photographer Richard Mosse travelled in eastern Congo together with cameraman Trevor Tweeten, trailing rebel groups and visiting places plagued by violence and terror. So far, more than five million people have been killed in a civil war that has been raging since the end of the 90s.
“The Enclave” is a film installation that condenses authentic soundscapes and the terrifying, eerily coloured images captured on 16mm infrared film into an uncanny elegy to a nightmare known as war.
When we see tanks driving around and people burying the dead in “The Enclave”, then it is not in the manner of the war reporter’s documentary material, but rather as an artistic, personal approach to this horror. The installation was on show at last year’s Venice Biennale and is now set to screen as an Austrian premiere at musikprotokoll at the steirischer herbst festival.

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Karl Neubacher (AT)

Media Artist, 1926-1978

18/06 – 12/10/2014 Kunsthaus Graz

Along with Richard Kriesche and Peter Gerwin Hoffmann, Karl Neubacher is considered one of the pioneers of the avant-garde and of conceptual art in Styria. That something representative in this area developed in Graz in the 1960s and 1970s, its effects spreading way beyond the regional context, gives the protagonists relevance, lifting them clearly out of the narrow confines of provincialism.

www.museum-joanneum.at

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

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