Thea Djordjadze

Thea Djordjadze, Tickle the sketch, 2012 Carpet, steel, lacquer Courtesy: Monika Sprüth

 

Thea Djordjadze (GE)november

Koelnischer Kunstverein

Eröffnung 15/02/2013, 19:00

Thea Djordjadze wurde 1971 in Tiflis, Georgien, geboren. Sie studierte Bildhauerei in der Klasse von Rosemarie Trockel an der Kunstakademie Düsseldorf. Von 2004 bis 2007 war sie Atelierstipendiatin des Kœlnischen Kunstvereins. Nun präsentiert der Kunstverein ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland seit 5 Jahren. Wie häufig im Kunstverein handelt es sich um eine spezifische Neuproduktion, die unverwechselbar ist und in direkter Auseinandersetzung mit dem Ort entsteht.
Djordjadzes Skulpturen erinnern teilweise an die Raumfaltungen der russischen Futuristen oder der De Stijl Gruppe, unterscheiden sich jedoch wieder deutlich von diesen durch biomorphe, manchmal surreal, manchmal folkloristisch wirkende Gestaltungselemente. Hinzu kommt ein fast erzählerischer Umgang mit dem Interieur als Motiv: Stuhl, Tisch, Bett, Paravent. Das visuelle Ausgangsmaterial für ihre Ensembles nimmt die Künstlerin im Design und der Architektur der von ihr durchreisten oder benutzten Umgebungen wahr. Dabei liefern vor allem der familiäre Zusammenhang in Georgien und die Reisetätigkeit als international ausgestellte, in Berlin lebende Künstlerin die topografischen Koordinaten dieser Rezeption. Es sind heterogene Raumkonzepte, deren Erfahrung die Künstlerin interessiert. Situationen, in denen Gebrauch, Improvisation und das Aufeinandertreffen diverser, oft gegensätzlicher kultureller Praktiken eine Rolle spielen. Djordjadze transplantiert Bilder und Gegenstände aus dem Zusammenhang ihrer ursprünglichen Funktions- und Erscheinungsweise heraus und überträgt sie in die spekulative Umgebung ihrer eigenen künstlerischen Arbeit. Kulturelle Realität und Widersprüche —die sich im Ausgangsmaterial als Normalität repräsentiert finden— werden in diesem Prozess wieder aufgelöst und neu verhandelt.

Die Moderne erscheint in Thea Djordjadzes Werk als Konstruktion, deren universalistischer Anspruch schon immer durch die Pluralität kultureller und geografischer Austauschverhältnisse relativiert ist. In einem Kino zeigte die Künstlerin anlässlich ihrer Ausstellung in der Kunsthalle Basel (2009) den Film “Das Salz Swanetiens” von Michail Kalatosow. Der Film dokumentiert den Zusammenprall von Modernisierung und Archaik in der postrevolutionären Sowjetrepublik Georgien. Sowjetische Filmemacher wollten die sozialistische Perspektive —auch bildsprachlich— in die durch patriarchale Traditionen geprägten Südränder der jungen Räterepublik tragen. Umgekehrt wurde aber die Filmsprache der jungen Revolutionäre durch die vorgefundenen sozialen und geografischen Strukturen ebenfalls verändert. Ein ähnliches Verhältnis wird in Djordjadzes Arbeit reflektiert, wenn sie einen folkloristischen Fransenteppich über eine axonometrische Holzkonstruktion legt. Auch das Ornament des Teppichs wird relativiert. Dessen Schmuckseite ist nach innen gefaltet; die ungewollt modern wirkende —weil herstellungsbedingt mechanistische— Rückseite bleibt dagegen sichtbar.

www.koelnischerkunstverein.net

 

Christodoulos Panayiotou, Detail aus: The Invention Of Antiquity, 2011.

 

Christodoulos Panayiotou (CY)

The Invention of Antiquity

Koproduktion steirischer herbst

Camera Austria
02/02 – 17/02/2013

In vielen Projekten der letzten Jahre beschäftigt sich Christodoulos Panayiotou mit Mechanismen der Identitätsstiftung und der Konstruktion von Öffentlichkeit anhand von Bildern theatraler, performativer und kollektiver Rituale und Zeremonien. Diese Bilder stammen aus verschiedenen Archiven in Zypern und vor allem aus den Jahren nach 1960, als Zypern unabhängig wurde. Insofern beziehen sich Serien wie »The Invention of Tradition« und »The Invention of Folklore« (2011), vor allem aber die Dia-Serien »Wonder Land« (2008), »Never Land« (2008) und »I Land« (2010) auch auf die Frage der (visuellen) Konstruktion nationaler Identität.

»Never Land« stammt aus dem Archiv der zypriotischen Tageszeitung Phileleftheros nach einem Brand Ende 1980er und bevor die Zeitung zehn Jahre später auf digitale Produktion umgestellt hat. Diese zehn Jahre bedeuteten für die Republik Zypern eine Phase der signifikanten politischen Neuorientierung, insbesondere im Hinblick auf die angestrebte Mitgliedschaft in der Europäische Union (seit 2004). »I Land« wiederum geht auf das Archiv des offiziellen Informationsdienstes zurück, der die Aktivitäten des Präsidenten und der Minister dokumentiert. In »I Land« sind Bilder aus der Zeit des ersten zypriotischen Präsidenten, Erzbischof Makarios III rekombiniert. Neben solchen Bildern, die als offizielles Bildmaterial zirkulierten, zeigt Panayiotou auch unbeschriftetes Material, das aus ungeklärten Gründen im Archiv verblieben ist und möglicherweise auf private Interessen der FotografInnen zurückzuführen ist.

Für »Wonder Land« wählt Panayiotou Bilder aus dem städtischen Archiv der Stadt Limassol, die die zunehmende Präsenz von Walt Disney-Kostümen bei öffentlichen Umzügen zeigt. Von den 1970er Jahren bis 2008 verfolgt diese Serie über ihre popkulturellen Bezüge den Wandel der Referenzsysteme für politische und historische Narrative unter dem Einfluss globalisierter kultureller Phänomene und ihrer je lokalen Aneignung.

Aus diesen unterschiedlichen Bildquellen wird Geschichte, werden Erzählungen, politische Mythen und Versuche der nationalen Inszenierung rekonstruiert, gemeinsam mit jenen Bildern, die sich diesen Versuchen entziehen. Die Wahrnehmung dieser Bilder begleitet die Prozesse der Konstituierung einer politischen Öffentlichkeit, wie sie jene prägen und identitätsstiftend wirken sollen. Insofern erscheint gerade diese Trilogie exemplarisch für das Umeinander-Kreisen von Repräsentation, Politik und Öffentlichkeit.

Panayiotou selbst spricht davon, Wirklichkeit als eine konstante und kontinuierliche Performance in den Blick zu nehmen, als eine Bühne, auf der Narrative von Geschichte, Identität und Politik zur Darstellung gebracht werden – eine Vorstellung, die allerdings nicht darauf zielt, Wirklichkeit (post-modern) zu fiktionalisieren, die uns vielmehr alle zu DarstellerInnen macht, die für die produzierten Narrative und Bilder auch eine Verantwortung zu übernehmen haben.

www.camera-austria.at

 

 

Liz Deschenes / Ausstellungsansicht Secession 2012 © Jorit Aust

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Liz Deschenes (US)

Secession
7/12 – 10/02/2013

Liz Deschenes’ fotografisches Œuvre beschäftigt sich mit Bedingungen der Fotografie und ihren Komponenten, der Wahrnehmung und den gegenseitigen Wechselbeziehungen mit anderen künstlerischen Medien sowie nicht zuletzt mit der Architektur, im Rahmen derer ihre Arbeiten gezeigt werden. Deschenes’ Arbeiten erlauben einen selbstreferentiellen Blick auf das Medium, das von seinen Funktionen befreit ist und die eigenen Rahmenbedingungen zum Thema erhebt. Seit einigen Jahren arbeitet Deschenes fast ausschließlich mit Fotogrammen, Bildern, die ohne Kamera erzeugt werden, eine Technik, die so alt ist wie die Fotografie selbst. Traditionell dient sie zur Abbildung von Silhouetten. Objekte werden auf fotosensitives Papier gelegt und dieses dann belichtet, wobei Deschenes auf diese äußeren Referenzen verzichtet. Ihre Arbeiten entstehen, indem sie Fotopapiere über mehrere Stunden im Freien (meist) dem Nachtlicht aussetzt, danach fixiert und mit Tonern behandelt. Je nach Einsatz und Wahl unterschiedlicher Fotochemikalien entstehen dabei Oberflächen, die schwarz, weiß, silber- oder goldfarben, glänzend oder matt sind. Hinzu kommen äußere Faktoren wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit, die unterschiedliche Reaktionen hervorrufen. Die Chemikalien und das Handling der Künstlerin hinterlassen Oberflächen, die Schlieren und Flecke sowie Hand- und Fingerabdrücke der Künstlerin aufweisen.

Die extrem langgestreckten und schmalen Fotogramme werden jeweils in Paaren winkelig zusammengefügt und bilden eine Art Faltung, die auf den Balg einer Großbildkamera Bezug nimmt. Diese visuelle Referenz auf das signifikante Erscheinungsbild einer Großbildkamera, die wiederum bevorzugt für Architekturaufnahmen eingesetzt wird, da die perspektivische Verzerrung durch die Verstellmöglichkeiten des Objektivs korrigiert werden kann, findet sich schon früher, vor allem bei Deschenes’ Arbeiten für die Whitney-Biennale (2012) und ihrer räumlichen Foto-Installation Tilt / Swing (in mehreren Versionen, zuerst 2009). Der Titel beschreibt die Möglichkeiten der Bildkontrolle durch Kamerabewegungen wie z. B. die Kippfunktionen des Objektivs. Dadurch werden Bilder erzeugt, die nicht dem „natürlichen“ Sehen des Menschen entsprechen. Diese subtile Referenz auf Manipulationsmöglichkeiten der Wirklichkeit durch die Kamera führt den seit Beginn der Fotografie bestehenden Mythos der objektiven Darstellung der Wirklichkeit und in der Folge die Konnotation von Fotografie und Wahrheit ad absurdum.

www.secession.at

 

 

Fiona Rukschcio, retaped Rape, Secession 2012 © Fiona Rukschcio

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FIONA RUKSCHCIO
retaped Rape.

Secession
7/12 – 10/02/2013

Fiona Rukschcio thematisiert in ihren Filmen, Collagen und Projekten weibliche Rollenzuweisungen, Identitätsentwürfe und emotionale Grenzerfahrungen. In der Secession zeigt sie ihren 2012 produzierten Film retaped Rape sowie eine Reihe von Fotografien, die den Entstehungsprozess der Filmarbeit dokumentieren, Fotocollagen und Sitzmöbel. Ausgangspunkt und strukturelle Vorgabe dieser neuen Arbeiten ist der Film Rape von Yoko Ono und John Lennon aus dem Jahr 1969. Rukschcio hat das Werk, in dem eine junge Frau vom Kameramann durch London bis in ihre Wohnung verfolgt wird, mit den gleichen Kameraeinstellungen an den Originalschauplätzen nachgedreht, jedoch ohne Protagonistin.

Rape (1969, 75 Min) ist ein konzeptueller Film, der auf einem 1968 veröffentlichten Skript Yoko Onos basiert: „Der Kameramann verfolgt mit seiner Kamera beharrlich ein Mädchen auf einer Straße, bis er sie in einer Gasse in die Enge treibt und, falls möglich, bis sie in einer fallenden Position ist.“ Ende November 1968 von Nic Knowland gedreht, hatte Rape am 31. März 1969 im ORF, der das Filmprojekt mitfinanzierte, Premiere. Den Film kennzeichnet eine gewalttätige und sexuell aufgeladene Atmosphäre. Die von der Kamera verfolgte Frau zeigt sich anfangs zwar geschmeichelt, wirkt jedoch zunehmend ängstlich und zutiefst verstört.

Die Künstlerin setzte sich in ihren Arbeiten wiederholt mit Gewalt gegen Frauen auseinander und beschäftigte sich damit, Strategien von Empowerment zu entwickeln, die unter anderem alternative Bilder jenseits einer Opferrhetorik zeigen. Ihr Film common.places (1999) beispielsweise, der 2000 auf der Diagonale mit dem Preis für „Innovatives Kino 2000“ ausgezeichnet wurde, verknüpft 27 Erzählungen von Frauen über den ganz „normalen“ Belästigungsalltag, dem jede Frau in jeder Situation ausgesetzt sein kann. Der ebenfalls in London gedrehte utopische Film Bill Posters will be prosecuted handelt von einer anonymen Frauengruppe (The Group), die den Auftrag erhält, einen vom Gericht freigesprochenen Vergewaltiger (Bill Posters) zu beobachten und nötigenfalls zu rächen. Ebenfalls um Orte und wie mit Erinnerung von marginalisierter Geschichte umgegangen werden kann, geht es in ihrem Video I would be delighted to talk Suffrage (GB 2005/03): Der Videofilm fungiert als Stadtführung, Oral History Dokument und collagierter Kostümfilm zugleich.

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Yael Bartana, Mur i Wieża, 2009 / Courtesy of Annet Gelink Gallery & Sommer Contemporary Art Gallery

 

Yael Bartana (ISR)

Wenn Ihr wollt, ist es kein Traum
Fragen an Herzl und Freud

Secession
7/12 – 10/02/2013

Die israelische Künstlerin und Filmemacherin Yael Bartana verhandelt in ihren Arbeiten geltende soziale Rituale und Strukturen im Allgemeinen sowie Fragen nach der kulturellen Identität ihres Geburtslandes, seiner historischen Konstruktion und den daraus resultierenden Spannungen und Konflikten im Besonderen. In der ihr eigenen poetischen Weise erzeugt sie eine Balance zwischen Faktischem und Erfundenem, Dokumentation und Propaganda, um mit einem ironischen Unterton Gewissheiten zu untergraben, Symbole auf den Kopf zu stellen und multiple neue Bedeutungen zu eröffnen.

2007 rief Bartana die Jewish Renaissance Movement in Poland (kurz: JRMiP) ins Leben, gleichermaßen politische Bewegung wie künstlerisches Projekt, die zur Rückkehr von 3,3 Millionen Juden in das Land ihrer Vorfahren aufruft. Zwischen Wirklichkeit und Fiktion oszillierend und an die kollektive politische wie gesellschaftliche Vorstellungskraft appellierend haben sowohl die JRMiP als auch die um deren Aktivitäten kreisende Filmtrilogie And Europe Will Be Stunned international für Diskussionen gesorgt und Anerkennung erlangt. Bartana zeigte die komplette Filmtrilogie erstmals 2011 – Polen repräsentierend – auf der 54. Biennale in Venedig.

Im Mai 2012 fand der erste internationale Kongress der JRMiP in Berlin statt. Die drei Tage währende Veranstaltung diente als Forum, um notwendige gesellschaftliche und politische Veränderungen in der EU, in Polen und in Israel zu diskutieren, um der Rückkehrforderung der JRMiP adäquat begegnen zu können und lud ein, diese Utopie kollektiv zu imaginieren. Der zum Kongress entstandene Film soll in der Secession zum ersten Mal gezeigt werden und zum Weiterdenken bereits ins Rollen gebrachter Ideen sowie zur Entstehung neuer Perspektiven anregen.

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VALIE EXPORT, Bedrückung, 1972 S/W-Fotografie, Tusche / Foto: mumok © VBK Wien, 2012

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Poesie der Reduktion

Minimal, Concept, Land Art

mumok
17/09 – 05/05/2013

Die Ausstellung stellt parallel zur Präsentation von Dan Flavin dessen Œuvre in einen breiteren zeitgenössischen Zusammenhang. Sie führt anhand einer repräsentativen Auswahl aus den Sammlungs- beständen zur Minimal, Concept und Land Art die zentralen Themen dieser neoavantgardistischen Kunstrichtungen der 1960er- und 1970er-Jahre vor Augen. Die thematische Gliederung der Präsentation spiegelt mit der Abkehr von traditionellen Kunstgattungen den Auf- bruch zu einer neuen raum-, körper- und betrachterbezogenen Kunst wider, die ihre eigenen institutionellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen mitreflektiert. Der damit verbundene Wunsch nach Klarheit und analytischer Präzision äußerte sich zumeist in einer konzentrierten und reduzierten Formensprache, die das Sinnliche und Poetische nicht ausschließt, sondern, im Gegenteil, in einem neuen Licht erscheinen lässt.
So bergen auch die nüchternen Formen der Minimal Art, die gegen den Illusionismus der Malerei angetreten war, eindrucksvolle sensuelle und poetische Aspekte. Durch die Reduktion der Formen wird deren Wahrnehmung als subjektiver Akt erfahrbar, in dem das Werk, der Raum und die eigene Körperlichkeit sinnlich miteinander verspannt sind. Gerade die Einfachheit der Mittel erhöht die Komplexität der Werke, wie Donald Judd, einer der Hauptvertreter der Minimal Art, selbst anmerkte.

www.mumok.at

 

 

STEALTH.unlimited & Centro de Desarrollo Cultural de Moravia / Nodo de desarrollo cultural #1
“El Morro”, 2011  / Ausstellungsansicht

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Cittadellarte (I)

Teilen und verändern

Kunsthaus Graz
29/09 – 03/02/2013

Teilhabe steht im gesamten künstlerischen Werk von Michelangelo Pistoletto, dem großen Vertreter der Arte Povera, im Zentrum – mit der von ihm ins Leben gerufenen Arbeits- und Forschungsgemeinschaft Cittadellarte hat er seinen Überlegungen eine neue Dimension gegeben: ein offenes Netzwerk, das Arbeit, Erziehung, Kommunikation, Kunst, Nahrung, Politik, Spiritualität und Wirtschaft zwar unterteilt, aber dabei gleichzeitig die Produktion und gemeinschaftliche Inspiration ohne rigide Spartentrennung in den Vordergrund stellt. Wie funktionieren künstlerische Eingriffe in weltweite Realitäten und welche Kraft hat das Kollektiv?
„Teilen und verändern“ bringt sehr verschiedene, gesellschaftlich aktive Künstlergruppen in einer organisch verbundenen, urbanen Struktur zusammen, in der künstlerische Partizipation zum Ausgangspunkt einer Untersuchung demokratisch gelebter Zivilgesellschaft wird und die sich bis in den realen Raum der Stadt erstreckt.

www.museum-joanneum.at

 

 

Maria Lassnig, Kleines Sciencefiction-Selbstporträt, 1995 / Öl auf Leinwand / Stiftung Kunsthalle Bern © UMJ / N. Lackner

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Maria Lassnig (AT)

Der Ort der Bilder

Neue Galerie Graz
17/11 – 28/04/2013

In Maria Lassnigs Kunst manifestiert sich ein grundsätzliches Thema, dem der Mensch von jeher gegenübersteht. Es ist die Frage nach dem Bild, die Frage nach dem Visuellen auf einer grundsätzlichen Ebene. Dabei ist zu beachten, dass sich die sichtbare Welt nur zum Teil als der Ort des Visuellen definieren lässt. Wesentlicher erscheint bei Lassnig die Erkenntnis, dass der menschliche Körper ein Medium darstellt, das Bilder generiert. „Endogene Bilder“, die aus dem Inneren des Menschen aufsteigen (Erinnerungsbilder, Traumbilder etc.) sind auch Gegenstand der Bildwissenschaft. Unter diesem Aspekt betrachtet, ergeben sich aus dem Werk Maria Lassnigs verblüffende Erkenntnisse. Ihr Werk wird so zur angewandten Bildkritik. Die Frage nach dem Ort der Bilder bzw. des Visuellen wird hier mit Vehemenz gestellt.

Die Ausstellung in der Neuen Galerie Graz präsentiert teils noch nie gezeigte Arbeiten der Künstlerin aus allen Schaffensperioden – ein Werk, das die Entwicklungen vom abstrakten Expressionismus bis zur gegenständlichen Malerei exemplarisch nachzeichnet. Die Personale thematisiert die Vorgänge der Bildwerdung der äußeren Realität sowie der Manifestation innerer Bilder

www.museum-joanneum.at

 

 

Dan Flavin an artificial barrier of blue, red and blue fluorescent light (to Flavin Starbuck Judd), 1968 © Stephen Flavin/VBK Wien, 2012

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Dan Flavin (US)

Lights

mumok
13/10 – 03/02/2013

Der US-amerikanische Künstler Dan Flavin (1933–1996) hat seit den frühen 1960er-Jahren mit handelsüblichen Leuchtstoffröhren in genormten Dimensionen und Farben ein unverwechselbares Œuvre geschaffen. Präzision und Kalkül verbinden sich darin mit sinnlicher Ausstrahlung. Die Wahl der Röhren als Arbeitsmittel signalisiert die Annäherung der Kunst an die Alltags- und Konsumwelt. Ihre Präsentationsweisen folgen den Prinzipien minimalistischer Nüchternheit. Schon die frühe Serie der icons verdeutlicht die Entwicklung vom bild- zum lichtbezogenen Werk und die damit einhergehende Überwindung traditioneller Kunstgattungen und Werkformen. Durch das Anbringen von Leuchtstoffröhren an neuralgischen Stellen des Raumes tilgt Flavin die letzten Reste gängiger Bildvorstellungen: Mit the diagonal of May 25, 1963 (to Constantin Brancusi), 1963, wird erstmals und kompromisslos eine einzelne Röhre zum Mittel luminarer Selbstinszenierung. Ohne jegliches Beiwerk entfaltet sie eine Leuchtkraft, die die üblichen Grenzziehungen zwischen Werk, Raum und BetrachterIn ebenso außer Kraft setzt wie die Trennlinie zwischen rationaler Form und poetischer Erscheinung. Einen Höhepunkt raumbezogener Lichtkunst in der Ausstellung bilden die sogenannten European Couples, deren Röhrenquadrate die Raumecken überblenden und die BetrachterInnen in imaginäre, ineinander verschwimmende Farbräume tauchen lassen. Gemeinsam mit den Lichtarbeiten werden Zeichnungen gezeigt, die zum einen den Prozess der Werkplanung verdeutlichen und zum anderen Flavins bildnerische Sensitivität bezeugen.

www.mumok.at

 

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Christodoulos Panayiotou (CY)

The Invention of Antiquity

Co- produced by steirischer herbst

Camera Austria
02/02 – 17/02/2013In many projects of recent years, Christodoulos Panayiotou has explored mechanisms of identity creation and the construction of publicness through images showing rituals and ceremonies of a theatrical, performative, and collective nature. These pictures originate from various archives in Cyprus, particularly from the time following 1960, the year Cyprus celebrated its newfound independence. In this respect, his photographic series—like “The Invention of Tradition” and “The Invention of Folklore” (2011), but most especially the slide series “Wonder Land” (2008), “Never Land” (2008) and “I Land” (2010)—address the issue of the (visual) construction of national identity.

 

Liz Deschenes (US)

Secession
7/12 – 10/02/2013

kj
Liz Deschenes’s photographic oeuvre deals with the conditions of photography and its components, with perception and the correlation to other artistic media, and with the architecture within which her works are shown. Her works allow a self-referential look at the medium, liberated of its functions, taking its own conditions as its theme. For some years now, Deschenes has been working almost exclusively with photograms – pictures created without a camera, using a technique as old as photography itself. Traditionally, it has served to capture silhouettes: objects are placed on photosensitive paper and the paper is then exposed. Deschenes does without these external references: her works are made by exposing photographic paper for several hours, out of doors, mostly at night, before fixing it and treating it with toners. Depending on the choice of photographic chemicals and how they are used, this creates surfaces that are black, white, silver or golden, glossy or matt. The results are also influenced by external factors including temperature and humidity. The chemicals leave streaks and spots, and there are hand- and fingerprints from the artist’s handling of the material. „My work is in reaction to, I think, the limited scope that photography is often understood by. I think photography is capable of much more than representing a particular moment in time. (…) I’m just working with the most basic elements of photography, which is paper, light and chemicals. There’s no negative, there’s no digital file. I’m bringing it back to a pre-photographic status.“

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FIONA RUKSCHCIO
retaped Rape.

Secession
7/12 – 10/02/2013

In her films, collages and projects, Fiona Rukschcio deals with the roles assigned to women, with identity construction, and with extreme emotional experiences. At the Secession, she is showing her film retaped Rape (2012) and a series of photographs documenting the making of the film, as well as photo-collages and furniture. These new works take their cue and their structure from the film Rape made by Yoko Ono and John Lennon in 1969. Rukschcio re-filmed the work, in which the cameraman pursues a young woman through London back to her apartment, recreating the same shots at the original locations, but without the woman.

Rape (1969, 75 min.) is a conceptual film based on a script published by Yoko Ono in 1968: „The cameraman will chase a girl on a street with a camera persistently until he corners her in an alley, and, if possible, until she is in a falling position.“ Shot in late November 1968 by Nic Knowland, Rape premiered on 31 March 1969 on Austria’s public service broadcaster ORF, which had co-funded the project. The film is characterized by a violent, sexually charged atmosphere. Although the woman pursued by the camera appears flattered at first, she becomes increasingly anxious and deeply disturbed.

In her works, the artist has often dealt with violence against women, developing strategies of empowerment such as showing alternative images beyond the rhetoric of the victim. Her film common.places (1999), for example, that won the „Innovative Cinema Award“ at the Diagonale film festival in 2000, puts together 27 accounts by women about the „perfectly normal“ everyday harassment that can be experienced by any woman in any situation. The utopian film Bill Posters will be prosecuted, also shot in London, is about an anonymous group of women (The Group) who are contracted to observe a rapist acquitted by the courts (Bill Posters) and if necessary to take revenge. Specific places and ways of dealing with memories of marginalized history are also the subjects of her video I would be delighted to talk suffrage (GB 2005/03), which functions as a city guide, oral history document and collaged costume film all at the same time.

www.secession.at

 

Yael Bartana (ISR)

Wenn Ihr wollt, ist es kein Traum
Fragen an Herzl und Freud

Secession
7/12 – 10/02/2013

 The work of Israeli artist and filmmaker Yael Bartana deals with current social rituals and structures in general, and with issues surrounding the cultural identity of her native country, its historical construction, and the resulting tensions and conflicts in particular. In her distinctive poetic manner, she creates a balance between fact and invention, documentation and propaganda, ironically undermining certainties, standing symbols on their heads, and opening up multiple new meanings.

In 2007 Bartana founded the Jewish Renaissance Movement in Poland (JRMiP), both a political movement and an art project that calls for the return of 3.3 million Jews to the land of their ancestors. Oscillating between reality and fiction, and appealing to collective powers of political and social imagination, both the JRMiP and the film trilogy structured around its activities And Europe Will Be Stunned, have sparked debate and won recognition around the world. Bartana showed the complete trilogy for first time in 2011 when she represented Poland at the 54th Venice Biennial.

The first International Congress of the JRMiP took place in May 2012 in Berlin. The three-day event served as a forum for discussing the social and political changes that would be necessary in the EU, Poland, and Israel to adequately support the appeal launched by the JRMiP, inviting those attending to collectively imagine this utopia. The film about the congress will be shown at the Secession for the first time, fostering further exploration of existing ideas and the creation of new perspectives.

www.secession.at

 

Poetry of Reduction

Minimal, Concept, Land Art

mumok
17/09 – 05/05/2013

The exhibition – which is running in parallel to the presentation of Dan Flavin’s œuvre and will put it in a wider contemporary context— shows the central subjects of this neo-avantgarde art movement from the 1960s and 1970s using a representative selection of Minimal, Conceptual and Land Art from the collection holdings. The thematic structure of the presentation not only reflects the rejection of tradi- tional art genres, but the turn towards the new forms of art relating to space, the body and the viewer that reflect on their own institutional and social conditions. The intentional quest for clarity and analytical precision associated with these concerns is usually visible in a reduced formal language though this does not exclude sensuality or poetics. On the contrary, it presents them in a new light.
Thus the sober forms of Minimal Art, which locked horns with the illusionism of painting, contain impressive sensual and poetic aspects. The reduction of forms allows the subjective act of perceiving them to be experienced as a tensile relationship between the work, the room and one’s own physicality. As Donald Judd himself remarked, the complexity of the work is heightened precisely because of the simplicity of means.

www.mumok.at

 

Cittadellarte (I)

Divide and change

Kunsthaus Graz
29/09 – 03/02/2013

Participation is the focal point in all of the artistic works of Michelangelo Pistoletto, the great exponent of Arte Povera, and he has given his ideas a new dimension in the form of the work and research group “Cittadellarte” created by him: an open network that, while dividing work, education, communication, art, food, politics, spirituality and economy, at the same time focuses on production and communal inspiration without rigidly dividing the various spheres. How do artistic interventions in global realities work, and what is the power of the collective?
“Divide and change” brings together very different socially active artist groups in an organically connected, urban structure, in which artistic participation becomes the starting point for an examination of democratically lived civil society, extending into real urban space.

www.museum-joanneum.at

 

Maria Lassnig (AT)

The Location of Pictures

Neue Galerie Graz
17/011 – 28/04/2013

Maria Lassnig’s art reveals a basic problem every person is confronted with. It is the question of the picture, of the visual at a fundamental level, although one should note that the visible world can only partially be defined as a location of the visual. More essential in Maria Lassnig’s work seems the awareness that the human body represents a medium that generates pictures.

“Endogenous Pictures”, which arise from within a human (images generated by memory or dreams etc.), are also the subject of visual studies. When seen from this angle, remarkable insights are won from Maria Lassnig’s work. Her work thus turns into an applied critique of the image. The question of the location of the pictures or of the visual is posed here with especial urgency.

The exhibition in the Neue Galerie Graz presents works by the artist – some of them not yet shown – from all creative periods, an œuvre that traces the developments from Abstract Expressionism to representational painting in exemplary fashion. The solo show takes as its theme the processes of turning external reality into images, as well as the manifestation of inner pictures.

www.museum-joanneum.at

Dan Flavin (US)

Lights

13/10/2012 – 03/02/2013

In the early 1960s, US artist Dan Flavin (1933–1996) began using commercially available fluorescent tubes in standard sizes and colours to create an unmistakable œuvre. Precision and careful calculation are bound together with a sensual aura. By choosing the tubes as the material for his works, Flavin signalised the increasing proximity of art with everyday life and the consumer world. The ways in which they are presented are derived from principles of minimalist sobriety. Even the early series of icons illustrates the development from pictures to light-related work and the associated transcendence of traditional genres and forms of art. By affixing fluorescent tubes at critical points in the room Flavin erases the remnants of current notions of how a picture is defined: In the diagonal of May 25, 1963 (to Constantin Brancusi), 1963, the tubes appear for the first time as uncompromising objects in a luminary self-staging. Stripped of anything extraneous, the work develops a luminous power that not only suspends the usual boundaries between work, room and viewer, but also the dividing line between rational form and poetic appearance. One of the high points of this spatially-oriented light art in the exhibition is represented by the so-called European Couples in which the fluorescent tube squares dissolve the corners of the room and immerse viewers in an imaginary, intermingled, blurred colour space. Drawings will be presented together with the light works. These document both Flavin’s process of planning for the works and his artistic sensitivity.

www.mumok.at

 

 

 

 

 


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