unruhe der form. entwürfe des politischen subjekts

Dora García, Real Artists Don’t Have Teeth, 2011 © Roman Mensing, Courtesy of the artist and Galerie Michel Rein, Paris

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unruhe der form. entwürfe des politischen subjekts

Ausstellungsparcours

Ein Projekt von Wiener Festwochen, Akademie der bildenden Künste Wien und Secession
In Kooperation mit Museumsquartier Wien

Secession
10/05 – 16/07/2013

kl
Seit weltweit oft unvorhergesehen und mit unerschöpflichen Energien neue Protestbewegungen entstehen, stellt sich für diejenigen, die sich auf dem künstlerisch-kulturellen Feld mit diesen solidarisieren möchten, eine Reihe brisanter Fragen: Kann die aktuelle Kunst den Widerstand gegen falsche ökonomische Strukturen befördern, an denen sie entschiedenermaßen selbst teilhat? Oder hat sich hinter den Fassaden ihrer als frei gedachten Räume nicht längst die Liquidierung ihrer eigentlichen Potenziale ereignet: des Schwierigen und Nonkonformen? Muss das Projekt einer politischen Ästhetik jenseits eines medial verwertbaren Aktivismus nicht als abgebrochen und verdrängt gelten? Uns scheint, dass die historische Aporie für heute scharf gemacht werden muss für künstlerische Imaginationen eines politischen Subjekts in neuen Formen und Formaten.

Diesen neuen Formen und Formaten widmen sich „unruhe der form“. Im Projekt werden sich alle Räume der Secession und benachbarte Ausstellungsflächen in der Akademie der bildenden Künste und im MuseumsQuartier in einen Parcours verwandeln, der zwischen bildender und darstellender Kunst die Agora der Zukunft untersucht. Während des gesamten Ausstellungsverlaufs wird sich dieser Parcours temporär beleben mit künstlerischen Interventionen, Lectures, Konzerten und Performances sowie mit zehn politischen Reden von österreichischen Autoren, die sich mit einer fiktiven Identität – einem Sprachexperiment – zur politischen Lageage der Gegenwart oder der Zukunft verhalten, das ansprechen, was im öffentlichen Diskurs fehlt oder stört, und versuchsweise auf den blinden Fleck der Politik schauen. Die circa 15-minütigen Reden werden an verschiedenen Orten der Ausstellung von den Autoren und/oder Performern gehalten und an bestimmten Tagen wiederholt.
KünstlerInnen: Thomas Arzt*, Volkan Aslan, Neïl Beloufa*, Luo Bing, Brad Butler, Banu Cennetoğlu*, Keti Chukhrov, Antonio Cosentino, Tim Crouch, Cordula Daus, Burak Delier, Elmas Deniz, Carola Dertnig*, J. C. Duenkel, Jimmie Durham*, Barbara Ehnes, Gustav Ernst*, Tim Etchells, Antonio Fian*, Franzobel*, İnci Furni, Dora García*, Thomas Glavinic*, Dmitri Gutov*, Wang Haian, Wen Hui, Hannah Hurtzig*, Elfriede Jelinek, Anna Jermolaewa, Schorsch Kamerun*, Hassan Khan*, Julius Koller* Chris Kondek*, KwieKulik*, Mapa Teatro, Zhang Mengqi, Karen Mirza, Rabih Mroué, Jia Nannan, Marina Naprushkina, Henrik Olesen*, Boris Ondreička*, Ontroerend Goed, Yasemin Özcan*, Mustafa Erdem Özler, İz Öztat, Ewald Palmetshofer*, Judith Nika Pfeifer*, Shu Qiao, Nuno Ramos, Milo Rau, Ad Reinhardt*, David Riff*, Kathrin Röggla*, Pedro Romero, Ferdinand Schmatz*, Franz Schuh*, Tino Sehgal*, János Sugár, Akira Takayama, Vladimir Tatlin*, Miguel Ventura, Tris Vonna-Michell*, Jeronimo Voss*, Wu Wenguang, Tanja Widmann*, Dilek Winchester, Li Xinmin, Zou Xueping, Shiri Zinn* u.a.

Kuratiert von Karl Baratta, Stefanie Carp, Matthias Pees, Hedwig Saxenhuber und Georg Schöllhammer
Display: Johannes Porsch

www.secession.at

 

 

Verena Dengler, Ich bin ein freundlicher Wiener, 2012 © Verena Dengler, Courtesy Galerie Meyer Kainer

 

Verena Dengler (AT)

Fantastischer Sozialismus

mumok
23/02 – 26/05/2013

Verena Dengler ist eine Meisterin pointierter Anspielungen. Sie fügt Bilder, Skulpturen, Textilien und Fundmaterialien zu einem poetischen Kosmos zusammen: Historische und politische Details verbinden sich mit Reflexen auf die ökonomischen Bedingungen der künstlerischen Existenz, kunsthistorische Genealogien mit Zitaten der Populärkultur. In ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung reflektiert die in Wien geborene und aufgewachsene Verena Dengler die spezifisch österreichischen, meist sozialdemokratisch geprägten Bedingungen und Fördersysteme bildender Kunst. Verstaubte Slogans und veraltete Produktionsmittel kollidieren dabei mit aktuellen Schlagzeilen, wodurch das, was jeweils als zeitgenössisch gilt, seine Selbstverständlichkeit einbüßt.

Der Ausstellungstitel Fantastischer Sozialismus spielt auf die Phantastischen Realisten an, eine Künstlergruppe, die insbesondere in Österreich große Popularität erlangt hat. Denglers Interesse richtet sich auf die spezifischen Formen, die eigensinnige Provinzialität hervorzurufen vermögen. Insofern könnte der Untertitel der Ausstellung auch Östalgie lauten: „Ich denke da an Ostalgie, DDR-Kult, nur dass das in Österreich noch viel absurder ist, weil ja auch ein heutiges Wienbild immer konstruiert ist.“

www.mumok.at

 

 

Mathias Poledna / Installationsansicht / Secession 2013 © Margherita Spiluttini

 

MATHIAS POLEDNA

Secession

Mathias Poledna beschäftigt sich in seiner Arbeit mit Verbindungen zwischen Kunst und Unterhaltungskultur, der Moderne in Architektur, Mode und Design, der Sprache des Films sowie der Geschichte des Ausstellens, wobei insbesondere die spezifische Historizität dieser Phänomene ein zentraler Ausgangspunkt ist. In der jüngsten Vergangenheit haben seine Arbeiten vielfach die Form äußerst konzentrierter filmischer Installationen angenommen, in denen sich eine komplexe Spannung zwischen dem Dargestellten und daran geknüpften Bezügen und kulturellen Vorstellungen entfaltet. Das Interesse des Künstlers an verschiedenen Ausdrucksformen von Modernität manifestiert sich in den speziellen, oft sehr unterschiedlichen Gegenständen seiner Arbeiten, die von der Musik des Post-Punk bis zu einem Regenwald in Papua-Neuguinea reichen können, ebenso, wie in deren hochästhetischer und formal extrem reduzierter Formensprache. Wiewohl durchwegs neu und vielfach in Zusammenarbeit mit professionellen KollaborateurInnen geschaffen, erwecken sie häufig den Eindruck des bereits Vorgefundenen, indem sie der Bildsprache des kollektiven Imaginären aus Gegenwart und Geschichte entnommen zu sein scheinen.

Charakteristisch für die Vorgangsweise von Poledna ist ein konziser Umgang mit kulturellen Bezügen und historischen Zusammenhängen in Verbindung mit Momenten der Wiederholung, Verschiebung, Verdichtung und Auslassung. In seinen filmischen Arbeiten bilden die suggestive Wirkung des projizierten Bildes, das Spannungsverhältnis zwischen Bild und Ton und die komplexe Verschränkung von populärer Musik und filmischer Sprache wiederkehrende Motive. Seine präzise gesetzten Interventionen im Ausstellungsraum rücken, anknüpfend an seine Auseinandersetzung mit der institutionskritischen Kunst der 1960er und 1970erJahre, immer wieder auch konstituierende und begleitende Elemente des Ausstellens – Architektur, Gestaltung, Publikation – in das Zentrum seiner Praxis.

www.secession.at

 

 

Franz West in front of his Rolls Royce, Photo: Archive Franz West © Franz West

 kl

Franz West (AT)

Wo ist mein Achter?

mumok
23/02 – 26/05/2013

Franz West war einer der bedeutendsten Österreicher im internationalen Kunstgeschehen. Mit seinen Passstücken und Möbeln sowie Skulpturen im Innen- und Außenraum erlangte der im Juli 2012 verstorbene Künstler Weltruhm. Bereits vor 16 Jahren hat das Wiener mumok Franz West seine erste umfassende Retrospektive ausgerichtet. Nun widmet es ihm erneut eine große Ausstellung, die er noch selbst initiiert und mit viel Enthusiasmus mitentwickelt hat. Wo ist mein Achter? gibt mit rund 30 mehrteiligen Werken einen Einblick in die komplexe und vielschichtige Kunstpraxis von West.

Kombination und Rekombination

Im Fokus der thematisch angelegten Präsentation stehen die „Kombi-Werke“, überwiegend installative Arbeiten, in denen West verschiedene Einzelstücke vereint und auch immer wieder anders zusammengestellt hat. Durch die Kombination und Rekombination unterschiedlicher Werktypen wie den Passstücken, Möbeln, Skulpturen, Videos oder Arbeiten auf Papier aus allen Schaffensperioden gibt die Ausstellung gleichzeitig einen Überblick über die Bandbreite seines OEuvres. Ebenfalls in diesen Werken enthalten sind Arbeiten befreundeter Künstlerkollegen, darunter Martin Kippenberger, Rudolf Polanszky, Jason Rhoades oder Heimo Zobernig.
„Alles, was wir sehen, könnte auch anders sein“, zitierte Franz West 1988 den von ihm hochgeschätzten Philosophen Ludwig Wittgenstein und sprach damit einen essenziellen Aspekt seiner eigenen künstlerischen Herangehensweise an. Auch das Prinzip der Kombination und Rekombination korrespondiert mit seiner Überzeugung, dass die Bedeutung einer Äußerung – beziehungsweise eines bildsprachlichen Elements – nie eine fixe, klar definierte sein kann. Sie ändert sich vielmehr je nach Kontext und Reaktion der RezipientInnen.

www.mumok.at

 

 

 

Stefan Müller, Allerliebste Tante Polly, Installationsansicht Koelnischer Kunstverein 2013  © Albrecht Fuchs

 

Stefan Müller (DE)

Allerliebste Tante Polly

Kolenischer Kunstverein
18/04 – 02/06/2013

Die Ausstellung zeigt Arbeiten des in Köln lebenden Künstlers Stefan Müller (*1971 in Frankfurt am Main). Seine Malereien werden in einer Installation präsentiert, die ihre Inspiration aus der Lektüre von Mark Twains Roman “Die Abenteuer des Tom Sawyer” (1876) bezieht.

Auf den ersten Blick erscheinen die Arbeiten Stefan Müllers abstrakt. Grob definierte Rechtecke, oft leger ausgemalt, schwanken in instabilen Beziehungen durch einen malerischen Raum aus Bleiche, Spritzern und Farbverläufen. In anderen Bildern brechen zahllose, im Batikverfahren entstandene Falten die farbgetränkte Leinwand in ein Spektrum aderförmiger Linien auf. Der Bildgrund erinnert an die nebelhaften Abbildungen milchstraßendurchzogener Galaxien oder entfernter Gebirge auf ausgeblichenen Atlasseiten. Vor diesem Hintergrund tanzen nicht selten Spuren und Aussparungen, die von Klebestreifen, Schmutz, Krümeln oder Ascheresten herrühren — bewusst in den Grundierungsprozess mit aufgenommene Unwägbarkeiten. Der Künstler folgt diesen Zufällen, lässt sich bei der Setzung neuer Farbtöne und Formen von ihnen leiten oder abschrecken, korrigiert oder betont sie noch. Interessanter ist es, Stefan Müllers Umgang mit Leinwand, Farbe, Material und Technik weniger abstrakt sondern vielmehr als konkrete Auseinandersetzung mit Sehnsüchten, Beziehungen, dem eigenen Erleben und der alltäglichen Suche nach Transzendenz zu betrachten. Durch sein nahezu romantisches Insistieren auf dem einfachen und doch fragilen Zusammenhang zwischen persönlicher und ästhetischer Erfahrung, zwischen Erleben und Mitteilen, ist es Müller gelungen, seine Arbeit aus den für die Nullerjahre symptomatischen Kniffen und Finten postkonzeptueller Malereibehauptungen heraus zu halten ohne solipsistisch zu werden.

www.koelnischerkunstverein.net

 

 

 

kl

unrest of form. imagining the political subject

Exhibition parcours

A project by Wiener Festwochen, Academy of Fine Arts Vienna, and Secession
In cooperation with Museumsquartier Wien

Secession Wien
10/05 – 16/06/2013

Since new protest movements have been cropping up worldwide, often quite unforeseen and bursting with inexhaustible energy, many people in the artistic-cultural sphere who feel solidarity with these movements are faced with a number of explosive questions: can contemporary art advance the resistance against fraudulent economic structures if it has itself a definite share in them? Or have the true potentials of art – i.e. the difficult, thee nonconformist – already been liquidated behind the façades of its spaces still conceived as free? Must not the project of a political aesthetics transcending all activism suitable for media exploitation be considered aborted and suppressed? In our view, this historic aporia now needs to primed for artistic imaginations of a political subject embracing novel forms and formats. 

 

 

MATHIAS POLEDNA

Mathias Poledna deals in his work with connections between art and entertainment, modernism in architecture, fashion and design, the language of film and the history of exhibition-making, often taking the specific historicity of these phenomena as his point of departure. Most recently, he has been producing extremely concentrated cinematic installations that develop complex tensions between their subject matter and the associated references and cultural notions. The artist’s interest in different ways of expressing modernity manifests itself in the special, often highly diverse subjects in his work, ranging from post-punk music to a rain forest in Papua New Guinea, and in the aestheticism and extreme reduction of their formal idiom. Though always new and in many cases created jointly with professional collaborators, they often give the impression of found material, seeming to draw on the visual language of the collective imagination of the past and the present.

www.secession.at

 

 

Franz West (AT)
Where is my Eight?

mumok
23/02 – 26/05/2013

Franz West was one of the most important Austrians in the international art world. The artist, who died in July 2012, achieved worldwide fame with his “Passstücke” [adaptives], his furniture and his sculptures for interior and exterior spaces. It is now sixteen years ago that the mumok organized Franz West’s first comprehensive retrospective. Now, once again, it is dedicating a large-scale exhibition to his work that was initiated and co-developed by him with great enthusiasm.

The focus of the thematically structured presentation is on West’s combi-pieces, predominantly installative works in which the artist combined various individual pieces and subsequently recombined them in different configurations. The combination and recombination of different kinds of work such as adaptives, furniture, sculpture, videos or works on paper, from all different creative periods, means that the exhibition provides an overview of the whole spectrum of his oeuvre. Works by artist friends such as Martin Kippenberger, Rudolf Polanszky, Jason Rhoades or Heimo Zobernig are also included in these works.
“Everything we see could also be otherwise,” said Franz West in 1988, quoting philosopher Ludwig Wittgenstein whom he valued highly and addressing an essential aspect of his own artistic approach. The principle of combination and recombination also corresponds to his conviction that the meaning of a statement—or a visual element—is never a fixed and clearly defined one but, rather, changes according to context and the reaction of the recipients.

www.mumok.at

 

 

 

 

 

 

 


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