When the mountain changed its clothing

© Ruhrtriennale / Klaus Grünberg

Heiner Goebbles / Carmina Slovenia (D/SLO)

When the mountain changed its clothing

Österreichische Erstaufführung

Fr 12/10 & Sa 13/10, 19.30
Helmut-List-Halle,  90’

Das Alte ist nicht mehr, das Neue noch nicht greifbar: Die vierzig jungen Sängerinnen des weltweit tourenden slowenischen Chors Carmina Slovenica – alle zwischen zehn und zwanzig Jahre alt – konfrontieren uns energiegeladen mit Geschichten und Fragen zum Abschied von ihrer Kindheit. Zwischen Souveränität und Abhängigkeit sind ihre Spiele nur scheinbar harmlos, in Texten von Joseph Eichendorff bis Marina Abramović erproben sie immer wieder ihre eigene Position und justieren die Machtverhältnisse untereinander, aber auch zu uns im Publikum stets neu.
Die neue Arbeit von Heiner Goebbels, einem der einflussreichsten Musiktheaterregisseure und -komponisten unserer Zeit, beschäftigt sich mit dem Umbruch im Leben der jungen Frauen in spannungsreichen Bildern, die auch Perspektiven des massiven sozialen und politischen Umbruchs der Region sind, aus der sie und die musikalische Kultur ihres Chores stammen. Im Zyklus der Jahreszeiten verwebt Heiner Goebbels Musik des renommierten Chors aus der Grazer Nachbarstadt Maribor, die in diesem Jahr europäische Kultur-hauptstadt ist, mit Partisanengesängen aus der Tito-Zeit, Klassik, Popmusik und eigenen Kompositionen zu einem großen Musik-theaterabend.

www.steirischerherbst.at

 

 

© Blaine Davis

Jean Lee’s Theater Company (USA)

Untitled Feminist Show

Deutschsprachige Erstaufführung
Do 11/10, Fr 12/10 &  Sa 13/10, 19.30
Camp: Black Cube, 60’

Sechs charismatische Stars aus dem New Yorker Theater-, Tanz-, Neo-Burlesque-Untergrund, weit jenseits des Broadways, in einer Show, irgendwo zwischen militantem Happening, befreiender Choreografie und Cabaret: Auch in ihrer jüngsten Arbeit stellt die koreanisch-amerikanische Regisseurin Young Jean Lee kulturelle Identitäten infrage und konfrontiert uns scharf und humorvoll mit unseren eigenen Vorurteilen.
„Untitled Feminist Show“ führt uns in eine Welt, in der weibliche Körper nicht in bestimmten Rollen gefangen sind, sondern frei, jegliche Identität zu verkörpern, auszuprobieren, wieder zu wechseln. Die ununterbrochene Nacktheit der Protagonistinnen – weit davon entfernt, schockierend oder schlüpfrig zu sein – unterminiert komisch und irreversibel die sozialen Geschlechterkonstruktionen und erschwert es uns, allzu schnell Zuschreibungen auf die einzelnen Darstellerinnen zu projizieren, von denen nicht alle sich selbst als weiblich definieren. Körper muss nicht die Identität bestimmen.
Young Jean Lee hat die feministische Bewegung New Yorks zum Schwerpunkt gewählt, ohne selbst definieren zu wollen, was Feminismus heute bedeutet, ja nicht einmal, um für eine zeitgenössische feministische Position zu kämpfen. Sondern um gemeinsame, utopisch-feministische Erfahrung zu schaffen. Eine Erfahrung jenseits von Gender und Geschlecht, inspirierend und Mut machend.

www.steirischerherbst.at

 

 

 

Cittadellarte (I)

Teilen und verändern

Kunsthaus Graz
29/09 – 03/02/2013

Di – Fr 10.00 – 17.00, Sa & So 10.00 – 18.00

Teilhabe steht im gesamten künstlerischen Werk von Michelangelo Pistoletto, dem großen Vertreter der Arte Povera, im Zentrum – mit der von ihm ins Leben gerufenen Arbeits- und Forschungsgemeinschaft Cittadellarte hat er seinen Überlegungen eine neue Dimension gegeben: ein offenes Netzwerk, das Arbeit, Erziehung, Kommunikation, Kunst, Nahrung, Politik, Spiritualität und Wirtschaft zwar unterteilt, aber dabei gleichzeitig die Produktion und gemeinschaftliche Inspiration ohne rigide Spartentrennung in den Vordergrund stellt. Wie funktionieren künstlerische Eingriffe in weltweite Realitäten und welche Kraft hat das Kollektiv?
„Teilen und verändern“ bringt sehr verschiedene, gesellschaftlich aktive Künstlergruppen in einer organisch verbundenen, urbanen Struktur zusammen, in der künstlerische Partizipation zum Ausgangspunkt einer Untersuchung demokratisch gelebter Zivilgesellschaft wird und die sich bis in den realen Raum der Stadt erstreckt.

www.museum-joanneum.at

 

 

© Norbert Miguletz

 

Intoleranz / Normalität

Grazer Kunstverein
29/09 – 24/11

Mo – So 10.30 – 18.00

Rechtsextreme und populistische Politik ist auf dem Vormarsch und mit ihr neue Formen der Intoleranz. Begriffe wie Gutmensch und Politische Korrektheit werden benutzt, um Menschen zu diffamieren, die sich um das Ideal einer offenen Gesellschaft sorgen, während rechtsextreme Parteien überall in Europa salonfähig werden. Doch für die meisten Menschen scheint das kein sonderlicher Anlass zur Besorgnis zu sein – es ist halt so, ist normal, wird zur Normalität.
Ist der Erfolg von Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ normal? Ist die alltägliche Islamophobie in Europa normal? Oder die Tatsache, dass sich der norwegische Massenmörder Anders Breivik in seinem Manifest auf zahlreiche Zitate namhafter Politiker, Journalisten, Theoretiker berufen kann? Was bedeutet es also, wenn das, was als normal erachtet wird, zugleich eine Bedrohung darstellt?
„Intoleranz / Normalität“ lädt Künstlerinnen und Künstler ein, Fallstudien durchzuführen, die sich mit der zunehmenden Normalisierung dieser Atmosphäre öffentlicher Intoleranz auseinandersetzen.

www.grazerkunstverein.org

 

 

steirischer herbst

Adaptation

herbst-Ausstellung

Camp: Ausstellungsraum

29/09 – 13/10
Mo – Fr 12.00 – 20.00, Sa & So 10.30 – 20.00

Die Frage nach dem Verhältnis von Kunst und Politik richtet sich ja nicht nur nach außen. Sie geht auch an die Institution selbst und an die kuratorische Praxis: Die Prager Ausstellungsmacher Zbyněk Baladrán und Vit Havránek verstehen sich deshalb bei diesem Projekt mehr als Einladende: In einem gemeinschaftlichen Prozess entwickeln sie nicht nur die Form, sondern auch den thematischen Schwerpunkt von „Adaptation“ gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern – eher ein Labor für neue Paradigmen, Strukturen, Hierarchien, Kollaborationsformen als eine Ausstellung, ein kollektiver Prozess, der lange vor der Eröffnung beginnt und mit ihr längst nicht endet.
Alternative Modelle von Gesellschaft und Zusammenarbeit bilden die inhaltliche Klammer und werden gleichzeitig konkret erprobt. Eine von allen zusammengetragene Materialsammlung wird wieder und wieder adaptiert, Gruppen sortieren sich und sortieren sich wieder neu, Gemeinschaftliches steht neben Eigenem. „Adaptation“ schafft einen Freiraum innerhalb des institutionellen Kunstsystems sowohl für die beteiligten Künstler und Kuratoren wie auch für die Besucher, die zu Ko-Autoren werden. Denn die Freiheit der Adaptation ist das selbstermächtigende Instrument für den unbefriedigten Leser, Rezipienten, Zuschauer, brauchbare, nützliche eigene Bedeutungen und Verbindungen zu erzeugen. Wie die berühmten „Merzbau“-Wohnungsinstallationen wird die Ausstellung immer ein Vorschlag bleiben, eine Momentaufnahme, ein sich verändernder Kunst- und Lebensraum, in dem utopische Regeln für die konkrete Situation, Zeit und Ort adaptiert werden. Und die künstlerischen Arbeiten einerseits unabhängig bleiben und zugleich Teil einer gemeinsamen Anstrengung sind.

www.steirischerherbst.at



 

Heiner Goebbles / Carmina Slovenia (D/SLO)

When the mountain changed its clothing

Austrian Première
Fri 12/10 & Sat 13/10, 7.30 pm
Helmut-List-Halle
90’

The old is no more, the new not yet tangible: the forty young singers of the world-touring Slovene choir Carmina Slovenica – all between ten and twenty years old – confront us energetically with stories and questions concerning the farewell to childhood. Between sovereignity and dependency, their games only appear harmless. In the texts ranging from Joseph Eichendorff to Marina Abramović, they are constantly testing their own position and adjusting the balance of power amongst themselves and in relation to us, the audience.
The new piece by Heiner Goebbels examines the upheaval in the lives of the young women in exciting pictures, that are also perspectives of the massive social and political upheaval in the region from which they and the musical culture of their choir hail. Following the changing seasons, Heiner Goebbels weaves the choral music of this renowned choir from Graz’s neighbouring city Maribor, that is this year’s European Capital of Culture, with partisan songs from Tito’s era, classical and pop music and his own compositions, to create a grand evening of music theatre.

www.steirischerherbst.at

 

Young Jean Lee’s Theater Company (USA)

Untitled Feminist Show

German-language Première
Thu 11/10, Fri 12/10 & Sat 13/10, 7.30 pm
Camp: Black Cube, 60’

Six charismatic stars from New York’s theatre, dance, neo-burlesque underground, a far cry from Broadway, perform this show that is somewhere between militant happening, liberating choreography and cabaret. In her most recent work, the Korean-American director Young Jean Lee once again questions cultural identities and confronts us acutely and humorously with our own prejudices.
“Untitled Feminist Show” takes us into a world in which female bodies are not constrained by certain roles, but are instead free, to embody any identity, to try them out, to change again. The uninterrupted nudity of the protagonists – far from being shocking or titillating – comically and irreversibly undermines social constructions of gender and makes it hard to project overhasty categorisations on the cast members, not all of whom identify as female. The body does not have to determine one’s identity.
Young Jean Lee has taken the feminist movement of New York as a starting point, without trying to define what feminism means today, indeed, not even fighting for a contemporary feminist argument. Instead, the aim is to create a common utopian feminist experience. An experience beyond gender and sex, inspiring and bolstering.

www.steirischerherbst.at

 

Cittadellarte (I)

Divide and change

Kunsthaus Graz
29/09 – 03/02/2013

Tue – Fri 10 am – 5 pm, Sat & Sun 10 am – 6 pm

Participation is the focal point in all of the artistic works of Michelangelo Pistoletto, the great exponent of Arte Povera, and he has given his ideas a new dimension in the form of the work and research group “Cittadellarte” created by him: an open network that, while dividing work, education, communication, art, food, politics, spirituality and economy, at the same time focuses on production and communal inspiration without rigidly dividing the various spheres. How do artistic interventions in global realities work, and what is the power of the collective?
“Divide and change” brings together very different socially active artist groups in an organically connected, urban structure, in which artistic participation becomes the starting point for an examination of democratically lived civil society, extending into real urban space.

 

Intolerance / Normality

Grazer Kunstverein
29/09 – 24/11

Mon – Sun 10.30 am – 6 pm

Extreme right-wing and populist politics are gaining ground, bringing with them new forms of intolerance. Terms such as do-gooder and political correctness are used to defame people concerned with the ideal of an open society, while extreme right-wing parties are becoming acceptable everywhere in Europe. But for most people, this does not seem to be a particular cause for concern – that’s just the way it is, it’s normal, it’s becoming a normality.
Is the success of Thilo Sarrazin’s book “Deutschland schafft sich ab” normal? Is everyday Islamophobia in Europe normal? Or the fact that the Norwegian mass murderer Anders Breivik can draw on numerous quotes of renowned politicians, journalists and theorists in his manifesto? So what does it mean when what is considered normal at the same time poses a threat?
“Intolerance / Normality” invites artists to carry out case studies on the increasing normalisation of this atmosphere of public intolerance.

 

Adaptation

herbst exhibition

Camp: Exhibition space

 The question as to the relationship between art and politics is not only directed towards the outside. It also addresses the institution itself and its curatorial practice: therefore, the Prague-based exhibition-makers Zbyněk Baladrán and Vit Havránek see themselves more as inviters in this project: in a communal process, they not only develop the form, but also the main topic of “Adaptation” together with the artists – a laboratory for new paradigms, structures, hierarchies and forms of collaboration rather than an exhibition, a collective process that begins long before the opening and that will continue long after it has ended.
Alternative models of society and collaboration are the thematic bookends, which will also be put to the test. A collection of material put together by everyone will be constantly adapted, with groups arranging and rearranging themselves, a new creating joint and separate output. “Adaptation” creates an open space within the institutional art system, both for the artists and curators taking part and for visitors, who become co-authors. For the freedom of adaptation is the self-empowering instrument for the unsatisfied reader, recipient and spectator, to generate his or her own usable, useful meanings and connections. Like the famous “Merzbau” housing installations, the exhibition will always remain a suggestion, a snapshot, a changing art space and habitat in which utopian rules are adapted for the specific situation, time and place. And in which the art works remain independent, while at the same time forming part of a joint effort.

29/09 – 13/10
Mon – Fri 12 noon – 8 pm
Sat & Sun 10.30 am – 8 pm

Admission free

www.steirischerherbst.at

 



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